Stand: 06.11.2017 10:45 Uhr

Kein Rührstück für Weihnachten: "Die Rote Zora"

von Peter Helling

"Die Rote Zora" gehört zu den Jugendbuchklassikern. 1941 erschienen, erzählt Kurt Held darin von der rothaarigen Zora und ihrer Bande, obdachlosen Waisenkindern, die sich in einem Städtchen an der kroatischen Küste durchschlagen. Mehrfach wurde der Stoff bereits verfilmt. Das Hamburger Thalia Theater hat ihn nun als Familienstück auf die Bühne gebracht.

Die Rote Zora

Dieses Mädchen kennt jeder: knallrote Haare, um keinen Spruch verlegen, mutig und mit geballter Faust. Die rothaarige Zora ist Bandenchefin der Uskoken. Die Uskoken kämpfen gegen die Ungerechtigkeit und für ein Stück Hühnchen auf dem Teller. Mit ihren Diebstählen mischen sie auch ihre kleine kroatische Hafenstadt Senj auf.

Diese Geschichte ist kein Rührstück zu Weihnachten. Regisseur Thomas Birkmeir und sein Team packen ziemlich heiße Eisen an. Zora ist hier ein Flüchtlingskind. Und es geht um einsame Kinder, um ausbeuterische Fabrikanten, korrupte Bürgermeister und um hartherzige Großmütter, die ihre eigenen Enkelkinder verstoßen. Eine brutale Welt. Von Mittelmeeridyll ist keine Spur. Die Balkanroute ist dicht, die Zäune sind stachelig und die Herzen hart.

Schauspielerisch großartig

Der kleine Junge Branko verliert gleich zu Beginn seine Mutter. Der Hunger treibt ihn zum Diebstahl und direkt in den Knast, aus dem ihn Zora befreit, allerdings erst, nachdem er ihr einen Schwur geleistet hat: "Ich gehöre der Roten Zora mit Haut und Haaren, mit Leib und Seele!"

Die Bande der Roten Zora ist eine sehr bunte Truppe. Das ist schauspielerisch großartig. Der zarte Branko, der etwas schlichte Nikola, der messerschwingende Duro. Besonders gut bei den Kindern kam Steffen Siegmund - der Boy-Gobert-Preisträger dieses Jahres - als dicker Junge Pavle an, der aus einem geklauten Huhn einen Festschmaus macht und eine Wunde schon mal mit seinem eigenen Urin desinfiziert.

Figuren mit Bezug zum Leben

Es sind lebendige Figuren aus Fleisch und Blut. Erzähler der Geschichte ist ein Chor aus Dorfbewohnern, der immer wieder an den Bühnenrand trippelt. Großartig, wie die Szenen spielerisch ineinander übergehen, vor funkelnden Sternenhimmeln - oder sprühender Gischt. Was an diesem Theaterabend so fasziniert: die ewig gültige Geschichte von der Solidarität zwischen den Menschen. Die begreifen Kinder sofort, und sie lieben es, wenn man sie ernst nimmt.

Ein junger Zuschauer findet: "Eigentlich ist alles ziemlich toll, aber die Rote Zora mochte ich am liebsten." Auch Erwachsene hatten ihren Spaß: "Es war schön, wie der Gedanke der Solidarität in dem Stück kindgerecht rüberkam", sagt einer der älteren Besucher. "Man geht so richtig beschwingt mit Mut und Lebenslust aus dem Theater", meint ein anderer.

Kein Rührstück für Weihnachten: "Die Rote Zora"

Das Thalia Theater hat den Jugendbuchklassiker "Die Rote Zora" auf die Bühne gebracht. Regisseur Thomas Birkmeir packt ein heißes Eisen an: Zora ist in der Inszenierung ein Flüchtlingskind.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Thalia Theater
Alstertor
20095  Hamburg
Telefon:
Kartentelefon 040 / 32 81 44 44
E-Mail:
theaterkasse@thalia-theater.de
Preis:
7,50 bis 38,00 Euro
Öffnungszeiten:
Tageskasse:
Montag bis Samstag von 10 bis 19 Uhr
Sonn- und Feiertage von 16 bis 18 Uhr
Hinweis:
Die rote Zora
von Kurt Held

Bearbeitet von Thomas Birkmeir
Regie: Thomas Birkmeir

Darsteller: Valentin Richter (Duro), Toini Ruhnke (Zora), Günter Schaupp (Ivekovik/Radic)
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Abendjournal | 06.11.2017 | 19:00 Uhr

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