Stand: 25.11.2016 13:16 Uhr

Ein Denkmal für den Dandy

von Peter Helling

Der Dandy ist eine gefährdete Spezies, er wird immer seltener: Er folgt seinen eigenen Regeln, kleidet sich extravagant und geht seinen Ausschweifungen nach. Ohne Moral und ohne jeden Stress. In seiner Komödie "Bunbury oder Ernst sein ist alles" hat Oscar Wilde dem Dandy ein Denkmal gesetzt. Nun hatte das Stück in der Regie von Anatol Preissler am Ernst Deutsch Theater Premiere.

Oscar Wildes in seiner Hauptrolle sitz auf einem Sofa während des Theaterstückes und neben ihn sitz ein Kollege.

"Ernst sein ist alles" im Ernst Deutsch Theater

Hamburg Journal -

Oscar Wildes berühmte Verwechslungskomödie "Ernst sein ist alles" mit Patrick Abozen in der Hauptrolle feiert im Ernst Deutsch Theater Premiere.

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Vergnügen mit dem zweiten Ich

Sie sind zwei befreundete Junggesellen und haben sich eine doppelte Identität zugelegt: Jack, gespielt von Felix Lohrengel, heißt Ernst nur in London, und Algernon, der nennt sich Bunbury nur auf dem Lande: Algernon, gespielt von Patrick Abozen, ist ein lasziver Popanz: "Du bist der am ernsten aussehendste Ernst, den ich je gesehen habe, du kannst doch nicht ernsthaft behaupten, dein Name sei nicht Ernst!" - "Also gut, ich heiße Ernst, in der Stadt…", heißt es im Stück.

Beide sind sich einig: Nur das zweite, anonyme Dandy-Ich macht erst richtiges Vergnügen möglich! Pikant. Nebenbei werden die kleinen Finger von der Teetasse gespreizt, werden Gurkenschnittchen verschlungen, wird sich um Muffins duelliert.

Wenn da die Liebe nicht wäre...

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Zwei Frauen wollen heiraten: den einen Ernst. Da sorgt das Synonm für reichlich verwirrung.

Eine ziemlich sorglose Welt also, wenn nur die Liebe nicht wäre: Denn Jack will Gwendolyn heiraten, aber die will nur einen echten Ernst - also sein zweites Ich! Und Algernon macht sich derweil an Jacks Mündel Cecily auf dem Lande ran - auch unter dem Namen Ernst! Die Verwirrung ist perfekt: zweimal Ernst, zwei Frauen, die nur einen Ernst heiraten wollen, komme, was da wolle.

Regisseur Anatol Preissler setzt auf ein starkes Ensemble, das spielfreudig und sprachlich genau den Dialogen Oscar Wildes Leben einhaucht. Plötzlich klingt das alles sehr frisch, das Loblied auf die Anonymität, das sogenannte Bunburysieren.

Mit viel Witz und grandios gespielt

Kostüme und Bühne leuchten wie englische Bonbonnieren. Die konservative Ausstattung wird immer wieder ironisiert durch Live-Songs - etwa, wenn die beiden um das Phantom "Ernst" konkurrierenden Frauen mit E-Gitarre vor den Vorhang treten.

Die geheime Regentin dieses ganz und gar nutzlosen und vergnüglichen Treibens ist Jens Wawrczeck als Lady Bracknell. Die Figur ist keine platte Travestie, sondern hat eine ganz eigene flimmernde Würde. Sie und der Butler, wunderbar stoisch verkörpert von Oliver Warsitz, werden zum wahren Liebespaar des Abends.

"Querbeet, war alles dabei, das war wunderbar!", meint ein Zuschauer. "Mir hat es gut gefallen,es war mal was Besonders, ein bisschen klamaukig zum Schluss, aber sonst gut!", stimmt ein anderer zu. - Das Publikum jubelt jedenfalls und ist bestens unterhalten.

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In seiner Komödie "Bunbury oder Ernst sein ist alles" hat Oscar Wilde dem Dandy ein Denkmal gesetzt. Nun läuft das Stück am Ernst Deutsch Theater - vor einem begeisterten Publikum.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Ernst Deutsch Theater
Friedrich-Schütter-Platz 1
22087  Hamburg
Telefon:
(040) 22 70 14 20 (Information und Kartenreservierung)
E-Mail:
tickets@ernst-deutsch-theater.de oder online über die Webseite des Theaters
Preis:
Zwischen 25 und 42 Euro
Hinweis:
Regie: Anatol Preissler
Bühne: Karel Spanhak
Kostüme: Marrit van der Burgt
Ensemble: Patrick Abozen, Christina Arndt, Dagmar Bernhard, Maria Hartmann, Frank Jordan, Felix Lohrengel, Oliver Warsitz, Jens Wawrczeck
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 25.11.2016 | 19:06 Uhr

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