Stand: 08.01.2016 13:29 Uhr

Affen-Selfie: "Naruto" hat keine Rechte am Bild

Wenn ein Affe ein Foto von sich selbst macht mit einer unbeaufsichtigten Kamera - wer hat dann die Rechte am Bild? Niemand, urteilte jetzt ein Bundesgericht im US-amerikanischen San Francisco. Bundesrichter William Orrick entschied am Mittwoch: Zwar könnten US-Kongress und -Präsident grundsätzlich den Schutz von Gesetzen auch auf Tiere ausweiten. Es gebe aber "keinen Hinweis" darauf, dass dies beim Urheberschutz der Fall sei. "Naruto", so der Name des Makakenweibchens, besitze daher kein Copyright an ihren Fotos.

Das von "Naruto" geschossene Selfie war entstanden, als Fotograf David Slater 2011 im Tangkoko-Nationalpark im Norden der indonesischen Insel Sulawesi eine Gruppe Makaken fotografierte. Seiner Aussage zufolge ließ er seine Kamera auf einem Stativ stehend kurz unbeaufsichtigt. In dieser Zeit schnappte sich "Naruto" den Fernauslöser und fotografierte sich etliche Male selbst.

Eigentümer statt Eigentum

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Ein Affe als Eigentümer - es wäre ein großer Schritt in Sachen Tierrechte.

Die Tierschutzorganisation "People For The Ethical Treatment Of Animals" (PETA) hatte zusammen mit der Primatologin Antje Engelhardt, damals Mitarbeiterin beim Deutschen Primatenzentrum in Göttingen und als Forscherin seit 2006 hautnah in Kontakt mit der Schopfmakakengruppe um "Naruto", im September 2015 Klage eingereicht. Das Ziel: "Naruto" sollte die Rechte an ihrem sogenannten Selfie erhalten. Damit wäre zum einen der Affe als Eigentümer deklariert worden, statt nur Eigentum zu sein - ein großer Schritt in Sachen Tierrechte. Zum anderen hätten die Kläger potenzielle Einnahmen aus der Verwertung des Fotos verwaltet und dem Affen zugutekommen lassen.

PETA will weiter für "Narutos" Rechte kämpfen

PETA-Sprecher Peter Höffken kommentierte das Urteil in einem vorab veröffentlichten Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" mit dem Hinweis darauf, dass Tiere nicht "Etwas" seien, sondern "Jemand". "Wir sehen es deshalb als unsere Verpflichtung an, uns dafür einzusetzen, dass dieses Wissen auch in die Gesetzgebung Eingang findet", so Höffken. PETA USA werde trotz dieser ersten Niederlage weiter auf dem Rechtsweg für "Narutos" Rechte an ihrem Selfie kämpfen. Das Deutsche Primatenzentrum in Göttingen war mit Verweis darauf, dass Engelhardt die Klage als Privatperson angestrengt hätte, für keine Stellungnahme zu gewinnen.

Fotograf erhielt ebenfalls keine Rechte

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Fotograf David Slater kann kein Urheberrecht beanspruchen - zumindest in den USA.

Zuvor waren bereits dem Eigentümer der Kamera, Fotograf Slater, per Kompendiumsentwurf der US-Copyright-Behörde etwaige Urheberrechtsansprüche verwehrt worden. "Die Behörde wird keine Werke registrieren, die durch die Natur, durch Tiere oder durch Pflanzen entstanden", schreibt das United States Copyright Office darin. Als Beispiele nennt das Kompendium unter anderem ein Foto, das ein Affe aufgenommen hat. Slater, der das Foto online und in einem Bildband verwendete, beanspruchte das Urheberrecht für sich - das Bild ging allerdings im Internet um die Welt, so war und ist es beispielsweise bei Wikimedia Commons frei verfügbar.

"Vom Aussterben bedroht"

Forscherin Engelhardt war von der Veröffentlichung der Fotos schon 2011 alles andere als begeistert: "Schopfmakaken sind vom Aussterben bedroht, vielleicht ist dies die letzte intakte Population", so die Primatologin in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt. "Wenn Touristen solche Aufnahmen sehen, wollen sie ebenfalls nah an die Tiere heran. Dabei können nicht nur Krankheiten übertragen werden, sondern die Makaken verändern auch ihr Verhalten und können im schlimmsten Fall Menschen beißen."