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Am 29. September ist ja Michaelistag. Ich weiß, dass der Tag irgendwie mit Engeln zu tun hat, aber mehr weiß ich auch nicht. Was ist eigentlich der Michaelistag?

Im Mittelalter war der Michaelistag ein großer kirchlicher Feiertag. Kinder hatten schulfrei, die Leute kamen in die Kirchen - denn am Ende des Sommer, bevor es richtig kalt und ungemütlich wurde, wollten die Menschen noch mal Kraft sammeln - und das taten sie mit Hilfe der Engel.

Denn der "Michaelistag" erinnert an den Erzengel Michael. Er gilt in der Bibel als Engelfürst. Er bringt die guten Taten der Menschen vor Gott, er verteidigt den Himmel und die Erde gegen das Böse und soll sogar gegen den Teufel kämpfen. So ist er oft in der Kunst dargestellt: Michael mit der Lanze - zu seinen Füßen liegt der Teufel, der besiegte Drache. Übrigens war Michael im Mittelalter der Schutzpatron des Deutschen Reichs. Darum sind auch viele Kapellen, Klöster und Kirchen nach ihm benannt. Und irgendwann kam es so auch zu dem Begriff "Deutscher Michel".

Der Michaelistag - der "Tag des Erzengels Michael und aller Engel" - spielt übrigens in der evangelischen Kirche kaum eine Rolle, wahrscheinlich weil er so direkt neben dem Erntedankfest steht. Dafür tauchen die Engel seltsamerweise an ganz anderen Orten wieder auf: In Schlagern, in der Werbung, in der Kunst und Filmen. Und manchmal sagen wir so nebenbei: Du bist ein Engel. Und das ist schon bemerkenswert: Auch im 21. Jahrhundert brauchen wir noch die Engel! Sie machen den Alltag etwas leichter. Sie helfen uns, Gott ein bisschen näher zu kommen. Wer von Engeln spricht, der spricht in verhüllter Weise von Gott.

Ach ja, und dann gibt es noch die vielen Bauernregeln. Denn früher hat der Michaelistag den Herbst angekündigt - und besonders die Bauern haben aufmerksam zum Himmel geschaut. Wie wird das Wetter? Folgt ein kalter Winter? Dafür gibt es zahlreiche Bauernregeln rund um den Michaelistag, die sich leider nicht immer einig sind. Bei Sonnenschein gilt entweder: 

Kommt Michael heiter und schön, wird es noch vier Wochen so weitergehen.  Oder: Gibt's Michaeli Sonnenschein, wird's in zwei Wochen Winter sein.

Und was geschieht, wenn es am Michaelistag regnet? Auch darauf gibt es eine Antwort:

Bringt St. Michael Regen, kannst Du gleich den Pelz anlegen.

Autor: Jan von Lingen

Aus: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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