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Wenn ich in Italien oder Griechenland Urlaub mache und bei brütender Hitze eine Kirche besichtigen möchte, bin ich immer wieder unsicher, wie ich mich kleiden muss. Gibt es da Regeln oder Vorschriften?

Ja, es gibt Regeln, sie ergeben sich aus dem Charakter des Gebäudes. Ein Beispiel aus dem Alltag: Niemand geht mit einem Bikini in die Oper! Das erscheint nicht angemessen.

Ebenso wenig angemessen ist es in katholisch geprägten Ländern leicht bekleidet eine Kirche zu betreten. Kirchen sind sakrale Räume, in denen Menschen beten und Gottesdienste feiern. Und schon in der Art, wie sich die Einheimischen kleiden, wird deutlich: Sie sind nicht am Strand.

Wenn Sie also in Griechenland eine Kirche oder ein Kloster besichtigen wollen, dann sollten sie wissen: Ihre Schultern und Knie müssen bedeckt sein - das gilt für Frauen und Männer.

Auch in Italien und Spanien gilt: Männer sollten Hosen tragen, die mindestens die Knie bedecken. Zipp-Off-Hosen mit variabler Beinlänge sind da sehr praktisch.

Frauen sollten grundsätzlich die Schultern bedecken. Also weder ein Top, noch Spaghetti-Träger - oder am besten immer ein Tuch mitnehmen, das bei der Besichtigung einer Kirche über die Schultern gelegt werden kann.

Manchmal gibt es solche Tücher zum Auflegen sogar in den Kirchen Außerdem befinden sich an den Türen zahlreicher Kirchen auch Hinweisschilder, die zeigen, welche Kleidung beim Besuch dieser Kirche gewünscht ist.

In einer Kathedrale habe ich es auch schon erlebt, dass eine sommerlich luftig bekleidete Frau rausgeworfen wurde. Von einem Mann in einer langen roten Robe. Warum wird so etwas gemacht? Ist es Gott nicht egal, wie Menschen sich kleiden?

Also, ob Gott einen bestimmten Modestil bevorzugt, darüber kann nur spekuliert werden...

Die Kirchenschweizer, wie die Herren meist genannt werden, sind zuständig für die Ordnung in der Kirche. Sie sehen sich als Türhüter und Aufseher. Der Name Kirchenschweizer geht übrigens zurück auf Schweizer, die einst ihr Land verlassen haben, um als Wachpersonal zu arbeiten.

Diese Männer in den langen Roben handeln im Auftrag der Geistlichen, die in der Kirche Gottesdienste feiern. Kirchenschweizer setzen sozusagen das Hausrecht in der Kirche durch. Sie sorgen für Ruhe, erinnern an mögliche Einschränkungen beim Fotografieren und sie sorgen auch dafür, dass niemand die Kirche besichtigt, wenn Gottesdienste stattfinden oder Menschen gemeinsam beten wollen. Und wenn ein Tourist falsch gekleidet ist, wird er vom Kirchenschweizer hinauskomplimentiert. 

Autor: Andreas Brauns

Aus: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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