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von Andreas Brauns
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Das Kirchenlexikon - A wie Amen in der Kirche

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"Es gibt doch diesen Spruch: Das ist so sicher wie das 'Amen' in der Kirche. Was bedeutet dieses 'Amen' eigentlich - und warum ist es so sicher?"

Es ist vermutlich selbst dann noch sicher, wenn sonst nichts mehr klappt in der Kirche. Weil allen Versammelten die Traditionen so fremd geworden sind, dass sie mehr oder weniger sprachlos in den Bänken sitzen. "Amen" geht irgendwie immer noch.

"Amen" als Zustimmung

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Mit "Amen" stimmen Christen im Gottesdienst einem Gebet oder Segen zu.

Mit "Amen" endet jedes Gebet. Es heißt so viel wie: "So sei es! So ist es!" Oder "So soll es geschehen!" Mit dem Amen drücke ich meine Zustimmung aus zu dem, was ich vorher selbst gelesen oder im Gottesdienst gehört habe. Etwa ein Gebet oder einen Segen. Beide sind übrigens unvollständig, wenn mein "Amen" fehlt. Es reicht also nicht, wenn der Pfarrer stellvertretend für die Gemeinde betet. Er braucht auch die Zustimmung, das "Amen".

Bedeutung als Signalwort

Das Wort stammt aus dem Hebräischen. In der jüdischen Tradition ist "Amen" die Antwort auf ein Wort Gottes oder sein Handeln. Es ist in den Schriften des Volkes Israel 30 Mal zu finden. Über diese Schriften ist das "Amen" auch ins Neue Testament gekommen. Dort ist es mehr als 150 Mal nachzulesen. Meist jedoch nicht am Ende eines Textes, um ihn zu bekräftigen. Nein, es steht meist am Anfang einer Passage. So wie ein Signalwort: "Amen, ich sage euch." Luther übersetzt es darum auch mit "wahrlich". "Amen" gehört auch in die islamische Tradition. Dort werden Bittgebete mit einem gemeinsamen "Amin" beendet.

Das "Amen" in den Sinnsprüchen

Aber zurück zu dem Spruch: "Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche." Wer das sagt, meint damit: Darauf kannst du dich verlassen. Denn einen Gottesdienst ohne das "Amen" gibt es nicht. Es ist also ganz sicher - das "Amen" in der Kirche. Es gehört einfach dazu. Dabei hat das Ganze nichts mit einem anderen Spruch zu tun: "zu allem Ja und Amen sagen." Das heißt ja so viel wie kritiklos allem zustimmen.

Das ist mit dem "Amen" im Gottesdienst keinesfalls gemeint, wenngleich sich das "Amen" irgendwie als Antwort auf alles eingebürgert hat. Nach dem Motto: Ich muss nicht zuhören, was da vorn - auch in meinem Namen - gesagt wird, ich muss nur irgendwann "Amen" sagen. Das passt dann schon. Ob das "Amen" dann auch in Zukunft noch sicher ist, darf zumindest bezweifelt werden.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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