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von Andreas Brauns

Auferstehung - Wird auch der Körper auferstehen?

"Auf Beerdigungen ist ja immer die Rede von Auferstehung. Aber wie stellen sich Christen eigentlich Auferstehung vor: Wird nur die Seele auferstehen oder auch der Körper?"

Darauf gibt es viele Antworten. Im Katechismus der Katholischen Kirche heißt es: "Durch den Tod wird die Seele vom Leib getrennt; in der Auferstehung aber wird Gott unserem verwandelten Leib das unvergängliche Leben geben, indem er ihn wieder mit unserer Seele vereint." Das heißt: Im Tod zerfällt der Mensch in Seele und Leib.

Auferstehung aber geschieht erst später: Wenn Gott die Seele wieder mit dem verwandelten Leib vereint. Es bleibt dann nur noch die Frage: Wie sieht dieser Leib aus? Wie viel Ähnlichkeit hat er mit dem Körper, der zu Grabe getragen wurde?

Darüber darf spekuliert werden. In dem von allen westlichen Kirchen anerkannt Apostolischen Glaubensbekenntnis heißt es: "Credo in carnis resurrectionem", "Ich glaube an die Auferstehung des Fleisches". Eine für viele irritierende Aussage, obwohl damit ein geistlicher, ein verwandelter Leib gemeint ist. Das Bekenntnis aus der Frühzeit der Kirche wird heute anders übersetzt: "Ich glaube an die Auferstehung der Toten." Heute glauben immer weniger Christen daran.

Einheit von Leib und Seele

In der evangelischen Tradition wurde lange Zeit betont: Der Tod erfasst den ganzen Menschen. Nichts bleibt von ihm. Was bleibt, ist allein Gottes Treue. Und dieser treue Gott rettet aus dem Tod. Er handelt und so ereignet sich nach dem Todesschlaf Auferstehung, auch Auferstehung des Leibes. Wurde früher oft nur von der Unsterblichkeit der Seele gesprochen, so hat sich die moderne Theologie fast völlig davon verabschiedet. Blieb doch der Verdacht: Im Tod stirbt nicht der Mensch, es stirbt nur sein Leib, der Körper.

Was aber bedeutet dann Auferstehung? Heute wird der Mensch als Person gesehen: Als Einheit von Leib und Seele. So verstanden ist der ganze Mensch Seele, wenn er vor Gott steht. Und er ist Leib, wenn er zusammen mit anderen in der Welt lebt und handelt. Eine Auferstehung der Seele wäre dann keine Vollendung, weil etwas fehlen würde, das zur Person dazugehört: der Leib.

Heute haben sich viele Theologen verabschiedet vom Bild einer leibfreien Seele, die nach dem Tod auf den auferweckten Leib wartet. Einer Seele, die sozusagen bis zum Ende der Geschichte nur halb selig ist. Die christliche Lehre sagt: Der Mensch wird auferstehen mit Leib und Seele, wird ganz bei Gott sein. Mehr lässt sich wohl nicht hoffen.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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