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von Jan von Lingen

Auferstehung - Wie ist sie vorstellbar?

"Die Frage, die meine Frau und mich schon lange beschäftigt, ist die Auferstehung. Das sind ja Milliarden, die eines Tages auferstehen werden. Wie ist diese Auferstehung vorstellbar?"

Milliarden Menschen, die eines Tages auferstehen werden - ich gebe Ihnen völlig recht: Das ist nicht vorstellbar, das übersteigt unser Vorstellungsvermögen. Aber ich denke, viele religiöse Fragen sind eben mit dem Verstand nicht zu begreifen. Jesus ist zum Beispiel auferweckt worden von den Toten. Das können wir mit dem Verstand nicht fassen. Auf der anderen Seite gründet sich darauf unser Glaube. Und weil Jesus auferstanden ist, weil die Bibel davon erzählt, weil die ersten Jünger das weitergetragen haben, genau darum hat der Tod seine Macht verloren. Auferstehung ist daher etwas, das wesentlich zu meinem Glauben gehört, auch wenn ich sie nicht verstehen kann.

Und die Auferstehung sich "räumlich" vorstellen - das ist für uns Menschen unmöglich. Da geht es mir wie Ihnen. Mir hilft dabei folgender Gedanke: Vielleicht sind bei Gott Raum und Zeit ganz anders beschaffen als bei uns. In der Bibel heißt es einmal: "Tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist." Gott ist also nicht begrenzt auf den Raum oder die Zeit, wie wir sie uns vorstellen.

Ein Mensch, der stirbt, wird verwandelt

Aber damit ist die Frage nach der Auferstehung noch nicht gelöst: Was bleibt übrig, wenn wir sterben? Wird nur die Seele auferstehen? Das haben manche griechische Philosophen vor über zweitausend Jahren geglaubt. Sie waren der Meinung: Die Seele ist gefangen im Körper wie in einem Gefängnis. Wenn ein Mensch stirbt, dann verlässt die Seele den Körper und wird befreit. Die christliche Tradition sieht das etwas anders: Für uns gehören Leib und Seele zusammen. Ein Mensch, der stirbt, der wird verwandelt.

Es ist wie mit einem Weizenkorn, das gepflanzt wird: In der Erde verliert es seine ursprüngliche Form. Es stirbt, doch daraus wächst neues Leben. So stelle ich mir das auch bei uns Menschen vor: Aus dem alten Menschen wird ein ganz neuer Mensch. Nichts trennt uns dann mehr von Gott. Wie genau dieser neue Mensch, dieser auferstandene Mensch bei Gott sein wird - das allerdings bleibt Gottes Geheimnis.

Aus: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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