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von Jan von Lingen

Auferstehung - Was wird aus den Menschen, die vor Jesus gelebt haben?

"Was geschieht mit den Menschen, die vor der Geburt von Jesus Christus gestorben sind. Was wird aus ihren Seelen?"

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Jüdischer Friedhof in Prag

Sie sprechen damit eine Frage an, die die Kirche seit fast 2000 Jahren beschäftigt. Stellen Sie sich vor, wie dies schon den ersten Christen unter den Nägeln brannte! Sollten sie tatsächlich, die einzigen sein, die erlöst werden - weil sie an Jesus glauben konnten? Und was war mit den Eltern und Großeltern, die Jesus nicht mehr erlebten, die Jesus nie begegnet sind?

Im Glaubensbekenntnis finden Sie eine mögliche Antwort auf die Frage. Da heißt es über Jesus Christus: "Gekreuzigt, gestorben und begraben" und "hinabgestiegen in das Reich des Todes". Dieser Satz wurde erst im vierten Jahrhundert ins Glaubensbekenntnis eingefügt, weil er den Menschen so wichtig war. Er bedeutet: Jesus ist gestorben und am dritten Tage auferstanden. Und in der "Zwischenzeit" war er bei den Toten. Auf mittelalterlichen Bildern ist dies oft sogar als "Höllenfahrt" dargestellt. Die Bilder zeigen Jesus, wie er dem Totenreich entsteigt. Oft hat er eine Siegesfahne in der Hand und zu seinen Füßen liegt der Teufel: Jesus befreit auch die Toten!

Gott schließt die letzte Tür auf

Heute sind uns diese Bilder mit Hölle und Teufel fremd geworden, die Sache aber bleibt. "Ich habe die Schlüssel des Todes", heißt es in der Bibel. Das bedeutet: Gott schließt auch die letzte aller Türen auf. Niemand kann sich selber retten, wir alle sind auf Gott angewiesen.

Und wenn jemand nun gar nichts von Jesus oder von Gott gehört hat? Die Bibel sagt: Er oder sie wird nach seinen Taten beurteilt und ist dabei genau so auf Gottes Liebe und Vergebung angewiesen wie der gläubige Christ, der sein Glaubensbekenntnis auswendig kennt und nach den zehn Geboten und dem Gebot der Nächstenliebe lebt.

Eigentlich ist das doch eine gute Nachricht. Und davon singen wir auch in einem Weihnachtslied: "Heut schleußt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis, der Cherub - der Engel - steht nicht mehr dafür, Gott sei Lob, Ehr und Preis."

Aus: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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