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von Andreas Brauns

Apokalypse - Will die Bibel damit Angst machen?

"In der Bibel gibt es furchtbare Bilder vom Ende der Welt. Da ist die Rede von gewaltigen Naturkatastrophen und Kriegen. Will die Bibel damit Angst machen?"

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Nach dem Sonnenschein folgten diese Gewitterwolken - fotografierte Bärbel Prielipp aus Seehof.

Nein, aber die Offenbarung des Johannes ist berüchtigt für ihre furchtbaren Bilder. Das letzte Buch der Bibel hat Generationen von Christen das Fürchten gelehrt. Da ist die Rede von gewaltigen Naturkatastrophen: von Erdbeben, Feuer, Krieg und Vernichtung. Wie kommen solche Texte ins Buch der Bücher? Martin Luther hätte sie am liebsten gestrichen. Sie machen Angst - sind alles andere als Frohe Botschaft. Also Phantastereien eines Verrückten, der Menschen ängstigen wollte?

Nein, so einfach ist das nicht. Die Offenbarung des Johannes wurde im 1. Jahrhundert n. Chr. geschrieben. Zu einer Zeit als Christen mit schlimmsten Verfolgungen rechneten durch den römischen Kaiser Domitian. Sie konnten als Christen seinen Befehl nicht befolgen, ihn - den Kaiser - anzuerkennen als Herrn und Gott. Doch: wer sich weigerte, wurde furchtbar bestraft. Darum die drastischen Bilder. Die Offenbarung des Johannes endet aber nicht mit diesen schrecklichen Bildern. Nein, da ist von einem neuen Himmel und einer neuen Erde die Rede - von Gottes Herrschaft.

Das Böse und die schlimmen Zeiten sind begrenzt

In den Evangelien finden sich übrigens ähnliche Bilder wie im letzte Buch der Bibel. Da sagt Jesus seinen Freunden: "In jenen Tagen, nach der großen Not, wird sich die Sonne verfinstern, der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden." Der Untergang der Welt zeichnet sich ab. Doch alle, die auf Gott vertrauen, sollen wissen: Jetzt ereignet sich das, worauf die ganze Schöpfung wartet: "Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen" (Mk 13,24ff). Der Menschensohn kommt, wenn niemand es erwartet: Wenn Terror, Gewalt  und Naturkatastrophen alles Leben bedrohen.

Solche Aussagen lassen Menschen hoffen, die aufgrund ihres Glaubens schikaniert, bespitzelt und mit dem Tod bedroht werden. Sie geraten nicht in Panik, sondern vertrauen einem Gott, der sie nicht dem Untergang preisgibt. Die apokalyptischen Bilder der Bibel, die das Ende der Zeit beschreiben, sollen keine Angst machen, obwohl sie immer wieder dazu missbraucht wurden. Auch von der Kirche.

Aber diese Bilder sollen den Menschen versichern: Das Böse und die schlimmen Zeiten sind begrenzt. Gott schaut nicht zu, wenn alles aus den Fugen gerät. Seine Boten, ja er selbst wird kommen: ein neuer Himmel und eine neue Erde.

Aus: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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