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von Andreas Brauns

Altar - Warum gibt es in manchen Kirchen mehrere kleine Altäre?

"Im Urlaub war ich in mehreren großen Kirchen, da gab es nicht nur vorn einen Altar, so wie man das ja kennt. Nein, da gab es an den Seiten noch mehrere andere Altäre, mit ein oder zwei Bänken davor. Warum gibt es diese kleineren Altäre?"

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Blick auf den Altar im Kloster Wöltingerode

Diese kleineren Altäre sind so genannte Seitenaltäre. Sie stehen meist an den Wänden - in den kleineren oder größeren Kapellen, die sich rechts und links vom Hauptschiff mit seinen Bänken oder Stühlen befinden. Diese Seitenaltäre werden heute in der Regel nicht mehr genutzt. Früher wurden an ihnen Gottesdienste gefeiert. Das heißt: Bis zum 2. Vatikanischen Konzil Mitte des vorigen Jahrhunderts, lasen Priester dort in lateinischer Sprache die Heilige Messe. Das geschah oft genug zeitgleich an mehreren Seitenaltären, denn an den großen Kathedralkirchen oder in Klöstern gab es meist mehr Priester als Altäre. Und da jeder Priester am Tag eine Messe lesen musste, taten sie es gleichzeitig - jeder für sich.

Der Priester schaute dabei zur Wand. In den zwei oder drei Bänken hinter ihm knieten vielleicht einige Frauen und Männer, die meist nichts verstanden und darum still oder leise für sich beteten. So kam es in der Kirche zu einem leisen Sprachengewirr.

Kunstvolle Altäre mit Tabernakel

Auch am so genannten Hochaltar, der sich heute noch in vielen alten Kirchen an der Stirnwand befindet, las ein Priester die Heilige Messe für die Gemeinde. Mit dem Rücken zum Volk stand er vor der meist hoch aufragenden und prächtig geschmückten Altarwand.

In vielen dieser kunstvollen Altarwände befindet sich heute noch der Tabernakel, der verschließbare kleine Schrank, in dem in der katholischen Kirche die gewandelten Hostien aufbewahrt werden, das geweihte Brot.

Vor 45 Jahren gab es in der katholischen Kirche eine Reform, die gottesdienstliche Handlungen neu bewertete. Die Priester sollten keine Messe mehr lesen, sondern sie mit der Gemeinde in der Muttersprache feiern. Seit dieser Zeit gibt es in den Kirchen den so genannten Hauptalter oder Zelebrationsaltar, der frei mitten im Altarraum steht. Er erinnert an einen Tisch und damit an das letzte Mahl, das Jesus vor seinem Tod mit seinen Freunden gefeiert hat. Seit der Reform des 2. Vatikanischen Konzils steht der Priester hinter diesem Altar und schaut in die Gemeinde. So wurde der Gottesdienst als Feier der Gemeinde neu entdeckt.

Aus: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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