Archiv

A

von Jan von Lingen

Altarschmuck - Welche Regeln gibt es?

"Warum soll man den Altar in der Kirche nicht mit Gefäßen schmücken, die mit Erde gefüllt sind? Wir diskutierten das in unserer Kirchengemeinde und keiner wusste Bescheid."

Wie ist das mit Blumenschmuck auf dem Altar in der Kirche? Es ist ein echte Kunst, das habe ich in einem Handbuch für Küster nachgelesen. Da gibt es sogar ein eigenes Kapitel zum Blumenschmuck. Denn in der Regel ist der Küster oder die Küsterin für die Blumen verantwortlich.

Der Küster oder die Küsterin wählt zum Beispiel die Vasen aus oder steckt oft auch die Blumen. Und er oder sie entscheidet auch, welche Blumen zu welchen Sonntag passen. Ostern zum Beispiel Osterglocken oder Narzissen, Himmelfahrt Goldregen oder Ginster, Pfingsten frische Birkenzweige - also auch blühende oder grüne Zweige sind möglich.

Und dann steht in dem klugen Küsterbuch auch etwas über Topfblumen: "Für den Altarschmuck sind Schnittblumen zu verwenden, und, soweit das jahreszeitlich möglich ist, keine Topfblumen. Künstliche Blumen gehören nicht auf den Altar."

Na, Sie merken schon, nur eines ist hier klar geregelt: Künstliche Blumen gehören nicht in die Kirche, und das wäre tatsächlich geschmacklos. Aber nur soweit es jahreszeitlich möglich ist, sollte auf Topfblumen verzichtet werden. Also eine Kann-Regelung.

Schnittblumen symbolisieren Vergänglichkeit

Aber was hat es mit Schnittblumen auf sich?  Warum sind sie die erste Wahl? Den Küstern wird es bei ihrer Ausbildung so erklärt: Schnittblumen symbolisieren die Vergänglichkeit des Lebens. Sie blühen auf und vergehen. So lebt auch der Mensch nur eine begrenzte Zeit. Und damit erinnern Schnittblumen zugleich an den Leidensweg Christi. Also sollten nach Möglichkeit frische Schnittblumen auf dem Altar stehen - aber genau das ist oft nicht leicht. Denn die sind teuer und die meisten Gemeinden müssen sparen. Was also tun?

In einigen Gemeinden gibt es inzwischen "Blumenkalender". Wer will, trägt sich ein und bringt für einen bestimmen Sonntag die Blumen mit in den Gottesdienst. Das klappt in manchen Gemeinden sehr gut und mancherorts wird daraus ein regelrechter Wettbewerb: Wer bringt die schönsten Blumen aus seinem Garten? Aber das wäre dann auch nicht Sinn der Sache.

In anderen Gemeinden gibt es "Blumenspendelisten". Wer will, spendet 10 Euro für einen Blumenschmuck. Egal ob mit Spendeliste, Blumenkalender: Mit Schnittblumen ist die Kirche das ganz Jahr über versorgt und der Altar schön anzuschauen. 

Noch etwas: Manchmal stehen Topfblumen neben dem Altar - und das als riesige Gummibäume. Ob das Sinn der Sache ist? Der  "Ficus Benjamini" hat trotz seines biblischen Namens nichts im Altarraum zu suche. Und wenn eine große Grünpflanze aus dem Altarraum verschwindet, tut das der Kirche oft ganz gut. Man kann den Altar und das Kreuz dann wieder sehen!

Aus: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/kirche/altar102.html