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von Andreas Brauns

Adventszeit - Wie wurde festgelegt, wie lang sie ist?

"Dominosteine und Spekulatiuskekse gibt es seit August. Doch der Advent dauert höchstens vier Wochen. Wer hat eigentlich wann festgelegt, wie lang die Adventszeit ist?"

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Advent - Warten auf die Ankunft des Messias.

Eine Vorbereitungszeit auf Weihnachten gibt seit dem Ende des 4. Jahrhunderts. In Spanien und im südlichen Frankreich fasten die Menschen drei Wochen lang. Sie tun Gutes und besuchen häufig Gottesdienste. So bereiten sie sich auf Weihnachten vor. Ein Fest, das erst seit dem 4. Jahrhundert belegt ist.

Ende des 5. Jahrhunderts wird im Bistum Tours eine Adventszeit eingeführt. Vorbild dafür sind die Wochen vor dem Osterfest, die Fastenzeit mit dem Karneval. Weihnachten wird sozusagen zu einem Osterfest im Winter.

Im 6. Jahrhundert lässt sich auch in Rom eine Adventszeit nachweisen, die allerdings wohl sechs Sonntage umfasst. Papst Gregor der Große verkürzt die Vorbereitungszeit auf Weihnachten auf vier Sonntage.

Doch erst 900 Jahre später wird für die ganze Kirche eine Adventszeit als Zeit der Besinnung und Buße festgeschrieben, zu der vier Sonntage gehören: Auf dem Konzil von Trient, der großen Kirchenversammlung in den Jahren 1545-1563. Aber auch hier gilt: keine Regel ohne Ausnahme: in Mailand gibt es bis heute eine sechs Wochen dauernde Adventszeit.

Eine Zeit des Wartens und der Vorbereitung

Von ihrem Ursprung her ist die Adventszeit eine Zeit der Vorbereitung auf die Taufe. Sowohl bei der Taufe als auch im Advent spielt das Licht eine besondere Rolle. Und das Licht in der Dunkelheit gehört bis heute zur Adventszeit. 

Advent heißt übersetzt Ankunft: Christen warten in den Wochen vor Weihnachten auf die Ankunft des Sohnes Gottes, den Messias.

Mit diesem unspektakulären Warten beginnt am 1. Advent, das Kirchenjahr. Die Adventszeit erinnert zugleich an das lange Warten des Judentums auf den Erlöser.

Der Advent ist schon lange keine Fastenzeit mehr. Dafür ist die Vorfreude auf Weihnachten vielleicht einfach zu groß. Und so gibt es für alle, die es einfach nicht erwarten können, die Vorboten der Adventszeit bereits Ende des Sommers in den Regalen: Dominosteine und Spekulatius. Aber erst ab dem 1. Dezember kommt noch etwas hinzu: Die Schokolade aus dem Adventskalender.

Aus: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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