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von Stefan Wollnik

Aberglaube - Wie verträgt er sich mit dem Glauben an Gott?

"Neulich habe ich in der Zeitung gelesen, dass die Zahl 13 auf Autokennzeichen sehr unbeliebt ist, weil sie angeblich Unglück bringt. Meine Frage: Wie vertragen sich eigentlich Glaube und Aberglaube?"

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Viele Menschen glauben, dass die Zahl 13 Unglück bringt.

Mit der Zahl 13 verbinden viele Menschen etwas Unheilvolles. Das hat zunächst mit der Zahl 12 zu tun, denn diese steht für Harmonie. Denken Sie an die 12 Jünger in der Bibel oder die 12 Monate oder die 12 Stunden von Tag und Nacht. Die 13 dagegen bringt Unordnung und Chaos - verständlich, dass viele sie meiden, einfach so aus einem Gefühl heraus. Es gibt sogar große Hotels, in denen der 13. Stock ausgelassen wird. Aber haben wir es hier tatsächlich mit "Aberglauben" zu tun?

Das Wort Aberglaube grenzt sich vom Wort Glauben ab. Das vorgesetzte "aber" zeigt, dass es sich um etwas handelt, das dem Glauben entgegensteht. Und in seinem Gegenüber zum Glauben hat der Aberglaube so einiges zu bieten. Das beginnt bereits morgens beim Durchblättern der Wochenzeitung, da fällt der Blick auf das aktuelle Horoskop: Wie stehen die Sterne für mich, habe ich einen guten Tag, was kommt heute auf mich zu? Die Verlockung womöglich etwas über die eigene Zukunft erfahren zu können, ist groß und führt manchmal auch zu Wahrsagern. Und nach und nach wird deutlich: Hinter dem Aberglauben, verbirgt sich etwas, dass sich tatsächlich gegen den Glauben richtet und einen Anspruch erhebt. Vertraue den Sternen, Karten und Wahrsagern. Genau hier wird es für mich schwierig. Wenn der Mensch sich beeinflussen lässt, sein Leben davon abhängig macht.

Glaube bedeutet auf Gott zu vertrauen

Diese Gefahr kennen Menschen schon seit Jahrtausenden. Im 5. Buch Mose steht zum Beispiel: "Wer geheime Künste oder Zauberei treibt... oder Geisterbeschwörungen oder Zeichendeuterei vornimmt oder die Toten befragt… wer das tut, der ist dem Herrn ein Gräul…" Hier werden solche Praktiken klar verurteilt. Die Menschen hatten erkannt, dass der Aberglaube von Gott wegführt. Ihnen war wichtig, nur Gott als ihren Bezugspunkt anzusehen - und eben nicht die Sterne am Himmel oder die Zahlen.

Glauben heißt für mich vertrauen auf Gott. Vertrauen darauf, dass meine Wege in seiner Hand liegen. In mein Horoskop aus der Zeitung schaue ich aber dennoch rein, denn unterhaltsam ist es allemal. Doch mein Leben beeinflussen, das tut es nicht! Ganz egal, ob die Katze von links nach rechts läuft oder ob auf meinem Nummernschild die Zahl 13 steht.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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