Stand: 13.09.2017 11:00 Uhr

Kolumne: Langsamer Abschied vom goldenen Auto

von Claudia Aue
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Anfang des Jahres fuhren 34.022 Elektroautos auf Deutschlands Straßen.

Ich hasse Autofahren. Und ich finde es auch nicht gut, dass ich meine Tochter jeden Morgen mit dem Auto zur Schule bringe. Aber ohne Auto müssten wir eine Stunde früher aus dem Haus - und meine Tochter kann die zehn Kilometer zur Schule noch nicht alleine schaffen. Also fährt die ganze Familie täglich Auto, durch die Zone 30 vor unserer Tür, im Stau über die Hauptverkehrsader, dann über die Schnellstraße mit den schlechten Abgas-Werten. Durchs Fenster sehe ich andere Autofahrer: die, die wütend gestikulieren und die mit dem Handy in der Hand. Selten sehe ich fröhliche Menschen.

Neue Verkehrslösungen kommen nur langsam

Die riesige Glitzerschau rund ums Auto, die gerade in Frankfurt startet, suggeriert uns aber etwas ganz Anderes: Autofahren macht Spaß. Und für viele Deutsche ist das Auto immer noch das Goldene Kalb. Aber der Skandal um manipulierte Diesel überschattet auf der IAA alles. Vielleicht braucht es manchmal erst einen Skandal, damit sich etwas ändert. Denn jetzt gibt es neue Botschaften: Milliarden sollen in den Elektroantrieb investiert werden. Gastgeber Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, redet außerdem davon, Auto, Fahrrad, Bus, Taxi, Bahn zu koordinieren: "In unserem Zukunftsbild steht das Auto nicht gegen andere Verkehrsträger." Das muss er wohl so sagen.

Alternativen zum Auto fördern

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Auch Pastorin Claudia Aue will verkehrstechnisch neue Wege gehen.

Ich frage mich andersherum: Müssen nicht so schnell wie möglich andere Verkehrsträger gegen Autos stehen? E-Mobilität allein wird es nicht rausreißen, wenn wir die Straßen leerer und die Luft sauberer bekommen wollen. Es braucht kreative Nahverkehrslösungen. In Kiel zum Beispiel lese ich von der Idee einer ganzjährigen Pendler-Fähre, es gibt spezielle "Mit dem Rad zur Arbeit"-Wochen und es sind noch bessere Kombis zwischen Fahrrad-Park-and-Ride mit Bus und Bahn geplant. Und - Plan eins - ich selbst muss weniger bequem werden. Mehr Zeit für Wege einplanen.

Darum vergebe ich heute einen Anker der Hoffnung für alle, die neue Wege gehen oder einfach nur mal das Auto stehen lassen.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jede Woche vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Kreuz - Herz - Anker

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Regelmäßig vergeben unsere Autoren ein Kreuz für Glauben, ein Herz für Liebe oder einen Anker für Hoffnung. mehr