Sendedatum: 15.08.2017 10:00 Uhr

Krankgeschrieben - und sich vergnügen?

von Sabine Hornbostel

Mein Kollege ist häufig krankgeschrieben. Letztens habe ich ihn im Fußballstadion getroffen und neulich sind wir uns sogar auf einer Hochzeit begegnet. Ist das in Ordnung, obwohl er doch krankgeschrieben ist?

Es sollte der schönste Tag seines Lebens werden. Im Überschwang der Gefühle schnappt er seine Braut und trägt sie feierlich über die Schwelle ins neue Eigenheim. Auf Facebook will er alle Welt daran teilhaben lassen. Dazu gehört auch sein Chef. Dumm ist nur, dass der Lagerist schon seit zwei Wochen krankgeschrieben ist. Wegen eines Bandscheibenvorfalls. Nun ist er seinen Job los. Die Raten für den Eigenheimkredit allerdings nicht.

Stethoskop © panthermedia Fotograf: Sven Weber

Gewissensfrage: Krankgeschrieben

NDR 1 Niedersachsen -

Sabine Hornbostel, Lektorin und Therapeutin aus Hannover, geht heute der Frage nach, ob ein krankgeschriebener Kollege auf eine Hochzeit gehen darf.

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Krankheit und Freizeit schließen sich nicht aus

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Körperliche Tätigkeiten bei Krankheit sind erlaubt, solange sie den Genesungsprozess nicht gefährden.

Diese Geschichte von der Hochzeitsfeier ist ein gutes Beispiel dafür, was im Falle einer Krankschreibung erlaubt ist und was nicht. Grundsätzlich ist es nämlich nicht so, dass der krankgeschriebene Kollege die ganze Zeit im Bett liegen muss. Krankheit ist kein Hausarrest. Freizeitvergnügen sind also durchaus erlaubt. Vorausgesetzt, der Genesungsprozess wird dadurch weder gefährdet noch verhindert. Das ist arbeitsrechtlich klar geregelt. Der Weg zum Supermarkt oder in die Apotheke ist also kein Problem. Mit einem Bandscheibenvorfall beim Umzug zu helfen, das ist natürlich tabu. Und auch die Braut muss in diesem Fall leider auf das beliebte Ritual verzichten.

Fürsorge statt Misstrauen

Ich kenne die Diagnose Ihres Kollegen nicht. Aber wenn er mobil ist, dann darf er seine Freizeit entsprechend gestalten. Und wenn er ein großer Fußballfan ist, dann können die Endorphine, die bei jedem Tor ausgeschüttet werden, durchaus gesundheitsförderlich sein. Die ausschweifende Siegesfeier, die sollte er allerdings lieber meiden. Und auch eine Hochzeit im Familien- oder Freundkreis steht der Genesung nicht im Weg.

Weitere Informationen

Sabine Hornbostel - Expertin für Lebenshilfe

Als Psychotherapeutin kennt Sabine Hornbostel auch dunkle Seiten des Lebens. Auch Gewissenskonflikte sind ihr nicht fremd. Mit ihrem Rat möchte sie Hörern weiterhelfen. mehr

Ihr Misstrauen ist also eher unbegründet. Der Kollege tut nichts Verbotenes. Es stellt sich allerdings die Frage, warum er so oft krank ist. Was ihn vielleicht belastet. Tauschen Sie Ihre Skepsis doch lieber gegen Fürsorge ein. Wenden Sie sich dem Kollegen zu und finden Sie heraus, was ihn krank macht. Dann handeln Sie ganz im Sinne der Nächstenliebe. Und gehen vielleicht beim nächsten Mal sogar gemeinsam ins Stadion.

Haben Sie auch eine Gewissensfrage? Dann schicken Sie sie einfach per Post an "Gewissensfragen", c/o Evangelische Kirche im NDR, Knochenhauerstraße 38-40, 30159 Hannover. Sie können aber auch ganz einfach das Formular im Anhang dafür verwenden.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Darf ich das? | 15.08.2017 | 10:00 Uhr