Stand: 25.10.2017 12:30 Uhr

Kolumne: #metoo - Auch eine Männersache

von Klaus Böllert
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Klaus Böllert vom Katholischen Rundfunkreferat Hamburg findet die Bewegung #metoo wichtig.

Ich sehe die Frau noch vor mir. Wie sie sich umschaut. Wie sie den Schritt beschleunigt. Warum? Ganz einfach, weil ich ein Mann bin, der im Dunkeln etwa 20 Meter hinter ihr her geht. Zufällig. In einer Seitenstraße auf dem Weg von der U-Bahn nach Hause. Ich bin dann einfach eine Minute stehen geblieben und habe mich geärgert. Nicht über die Frau, sondern über Männer, die dafür sorgen, dass Frauen Angst vor Männern haben.

Jeder Mann kennt den Unterschied

Seit zwei Wochen, seit die sexuellen Übergriffe von dem Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein bekannt wurden, gibt es erneut eine Debatte über sexuelle Übergriffe. Unter dem Hashtag #metoo berichten Frauen von eigenen Erfahrungen, von Erfahrungen sexualisierter Gewalt genauso wie von alltäglichem Sexismus. Für mich wäre es Anker der Hoffnung, wenn Männer diese Chance nutzen und nachlesen, was Frauen erleben - und auch was ihnen so unterstellt wird. Da gibt es nämlich haufenweise Kommentare zu lesen, das sei doch alles Hysterie und man wird doch noch mal ein Kompliment machen dürfen?!

Ich bin überzeugt: Jeder Mann kennt genau den Unterschied zwischen Kompliment und übler Anmache, zwischen Anschauen und Angaffen.

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Öffentlichkeit ist wichtig

Was mich wieder erschreckt ist - wie auch schon bei der Aktion #aufschrei, wie viele Frauen betroffen sind. Das reicht von der schwedischen Außenministerin bis zur Verkäuferin nebenan. Das vergiftet das Miteinander. Ich kann es gut verstehen, dass Frauen sich unwohl fühlen, wenn sie in ein Zugabteil einsteigen, in dem nur Männer sitzen. Dass sie Angst bekommen, wenn ein Mann abends hinter ihnen her geht. Auch wenn das nur ich sein sollte. Ärgerlich, dass es so ist. Deswegen finde ich #metoo richtig und wichtig.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Mittwoch vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

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