Stand: 14.01.2016 10:57 Uhr

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von Andreas Brauns

"In dieser Woche ist das erste Buch von Papst Franziskus erschienen. Woher nimmt der Mann nur die Zeit dafür? Und was schreibt er als Papst, sozusagen als Hüter des Glaubens der katholischen Kirche?"

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Gerade erschienen: "Der Name Gottes ist Barmherzigkeit", das neue Buch von Papst Franziskus.

Woher Papst Franziskus die Zeit für sein erstes Buch genommen hat, ist nur zum Teil sein Geheimnis. Denn die 128 Seiten, die jetzt erschienen sind unter dem Titel "Der Name Gottes ist Barmherzigkeit", gehen zurück auf ein Gespräch, das ein Journalist mit dem Papst geführt hat. Und da lag natürlich der Gedanke nahe, aus diesem Gespräch ein Buch zu machen. Um Persönliches von Papst Franziskus zum Jahr der Barmherzigkeit zu veröffentlichen: Gedanken, die ihm auf den Nägeln brennen.

Ein Appell an die Kirche

Und so ist das Buch vor allem ein Appell an seine katholische Kirche, ein Appell zu mehr Barmherzigkeit. Die Kirche soll sich bewegen und gegen den Strom schwimmen: Sie soll aufbrechen aus ihren sicheren Mauern und barmherzig sein in einer unbarmherzigen Welt. Kirche hat für Papst Franziskus den Auftrag, sich den Menschen barmherzig zuzuwenden, sie nicht zu verurteilen. Kirchliche Gesetze und Dogmatik, also festgeschriebene Glaubenslehren, sind nicht alles. Dem Papst geht es zunächst um den Menschen, dem die Kirche nicht mit Härte begegnen soll sondern mit Barmherzigkeit. Das werden manche Glaubenshüter nicht so gern lesen.

Kirche als eine Art "Feldlazarett"

Papst Franziskus träumt von einer Kirche, die eine Art Feldlazarett ist, in dem die Menschen versorgt werden, die leiden, um die sich sonst niemand kümmert. Eine Kirche, in der Seelsorgerinnen und Seelsorger den Menschen nachgehen. Auf seinen Reisen hat der Papst Spuren dieser barmherzigen Kirche entdeckt. Einer Kirche, die mit den Armen und Entrechteten lebt. Christen, die an einen barmherzigen Gott glauben, können nicht hartherzig leben, ohne damit ihren Glauben zu verraten. Denn: "Der Name Gottes ist Barmherzigkeit". Das ist für Papst Franziskus nicht nur ein schöner Titel seines Buches, nein, es ist Ausdruck seines Glaubens.

Trost und Verpflichtung

Er erzählt in seinem Buch auch von falschen Wegen, die Menschen gehen, erzählt von Sünde, Reue und Umkehr. Und von der Beichte, dem Bekennen der Sünden, das zurückführt zu einem Gott, der mit offenen Armen auf alle wartet, die sich verirrt haben. Ein Gott, der so ganz anders ist als eine unbarmherzige Welt und eine unbarmherzige Kirche. "Der Name Gottes ist Barmherzigkeit": Das ist - für alle, die an diesen Gott glauben - Trost und Verpflichtung zugleich.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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