Sendedatum: 11.07.2017 10:50 Uhr

Gute Tochter, böse Tochter

von Luitgardis Parasie

Es geht um meine Mutter. Wir wohnen nur ein paar Straßen voneinander entfernt. Ich bin jetzt 25 Jahre alt. Manchmal helfe ich meiner Mutter, zum Beispiel beim Rasenmähen. Dann bin ich die gute Tochter. Wenn ich mal keine Zeit habe, nennt sie mich "böse". Was soll ich bloß machen?

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Das Verhältnis zwischen Müttern und Töchtern ist häufig nicht frei von Konflikten.

Mein spontaner Impuls ist: ziehen Sie 500 Kilometer weit weg. Solche Probleme wie Rasenmähen erübrigen sich dann jedenfalls. Aber das ist vielleicht leichter gesagt als getan. Neulich habe ich eine Reportage über Krokodile in Südafrika gesehen. Sobald die Jungtiere aus ihren Eiern geschlüpft sind, trägt die Mutter sie in ihrem Maul zum Wasser. In den ersten Lebensmonaten bleiben die Jungtiere immer dicht bei ihrer Mutter. Die Nacht verbringen sie auf ihrem Rücken. Doch schon bald müssen die kleinen Krokodile alleine zurechtkommen, sich Nahrung suchen, sich vor Feinden schützen, ihren Lebensraum verteidigen.

Oft hilft mehr Distanz

Beim Menschen dauert es dagegen extrem lange, bis er die Mutter nicht mehr braucht. Kein Wunder also, dass sich Mütter und ihre Kinder oft eng verbunden fühlen. Auch bei Ihnen ist das so. Früher war ihre Verbindung zu ihrer Mutter so eng wie bei der Krokodilmama. Es fällt Ihnen nicht leicht, die nun zu kappen. Aber Sie sind nicht mehr das hilflose Geschöpf, das auf Mamas Rücken getragen wird. Sie sind ausgewachsen und erobern ihren eigenen Lebensraum.

Gewissensfrage: Gute Tochter, Böse Tochter

NDR 1 Niedersachsen -

Luitgardis Parasie spricht zum Konflikt zwischen Mutter und Tochter, bei dem es um Nähe und damit verbunden Enge geht.

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In der Bibel kommt es übrigens häufig vor, dass junge Frauen weit von zu Hause wegziehen und die Eltern zurückbleiben. Zum Beispiel eine Frau namens Rebekka: Sie reist Tausende von Kilometern, um ihren Mann Isaak zu heiraten. Sie ist überzeugt, dass Gott das so gefügt hat. Und ihre Eltern segnen sie für diese Reise.

Porträt

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Was Sie also brauchen, ist Abstand. Ich glaube, dass Ihre Mutter das sogar verstehen wird, wenn Sie selber klar sind in ihrer Haltung. Wenn Sie ihr vermitteln: Du bleibst meine Mutter, und ich werde dich nie aus dem Blick verlieren. Aber ich habe jetzt mein eigenes Leben und werde nicht immer springen, sobald du das möchtest. Klar, das ist auch für ihre Mutter anfangs nicht leicht. Wenn sie Ihnen manchmal böse ist, dann sehen Sie das als Übergangsschmerzen. Ich bin sicher: Langfristig wird ihre Mutter stolz sein, wenn ihre Tochter selbstbewusst ihren eigenen Weg geht.

Haben Sie auch eine Gewissensfrage? Dann schicken Sie sie einfach an fragen@gewissensfragen.de oder per Post an "Gewissensfragen", c/o Evangelische Kirche im NDR, Knochenhauerstraße 38-40, 30159 Hannover. Sie können aber auch ganz einfach das Formular im Anhang dafür verwenden.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Darf ich das? | 11.07.2017 | 10:50 Uhr

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