Stand: 17.07.2017 11:11 Uhr

Getreide in Biogasanlage verbrennen?

von Sabine Hornbostel

Ist es in Ordnung, wenn wir Mais und Weizen in eine Biogasanlage schütten, während anderswo Menschen hungern?

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Laut UN-Angaben sind in Ostafrika und dem Nahen Osten 20 Millionen Menschen vom Hungertod bedroht.

Mein Jugendfreund Matthias ist heute Biologe bei einem christlichen Hilfswerk. Er engagiert sich in Afrika für die Kleinbauern. Neulich habe ich eine E-Card von ihm bekommen, eine elektronische Postkarte mit Bild. Das Foto zeigt eine dunkelhäutige Frau. In ihrem Arm ein kleiner Junge. Große Augen, ein aufgeblähter Bauch. Darunter Matthias Worte: Hunger lässt sich bekämpfen. Bitte engagiere dich!

Ich bin neugierig geworden. Auf der Homepage des Hilfswerks, für das Matthias nun arbeitet, finde ich jede Menge Informationen. Ganze Regionen leiden unter Hunger, weil afrikanische Kleinbauern ihr gesamtes Land mit nur einer Sorte Gensoja bepflanzen. Sie tun das für westliche Konzerne. Aber der Erlös, den sie dafür bekommen, reicht oft nicht aus, um die Familie zu ernähren. Und das, was sie für sich selbst anbauen, ist wenig. Mich erschüttert das.

Ein Maiskolben wächst auf einem Genmaisfeld. © dpa Fotograf: Patrick Pleul

Gewissensfrage: Biogasanlage

NDR 1 Niedersachsen -

Sabine Hornbostel, Lektorin und Therapeutin aus Hannover, geht heute der Frage nach, ob angesichts von Hunger in der Welt Biogasanlagen hier sinnvoll sind.

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Bauern gerecht entlohnen

Aber würde es den Menschen wirklich helfen, wenn wir den für die Biogasanlagen bestimmten Mais nach Afrika exportieren und dort austeilen? Klingt so simpel, aber so einfach ist das nicht, glaube ich. Die Bauern dort brauchen Unterstützung. Aber vor allem brauchen sie faire Preise. Dazu Firmen, die sich als Partner verstehen. Die nicht allein auf Gewinnmaximierung aus sind, sondern die auch das Wohl der Kleinbauern im Blick haben. Das wäre übrigens ganz im Sinne Martin Luthers: "Reichtum soll christlich gebraucht werden." Auch in der Geschäftswelt sollte Nächstenliebe eine Rolle spielen.

Weitere Informationen

Sabine Hornbostel - Expertin für Lebenshilfe

Als Psychotherapeutin kennt Sabine Hornbostel auch dunkle Seiten des Lebens. Auch Gewissenskonflikte sind ihr nicht fremd. Mit ihrem Rat möchte sie Hörern weiterhelfen. mehr

Hunger in der Welt im Blick behalten

Zurück zu unserem Mais und Weizen für die Biogasanlagen. Das hat etwas mit der Abkehr von der Atomkraft zu tun, der Suche nach alternativen, regenerativen Energien. Neben Wind- und Wasserkraft ist die Vergärung von Biomasse dabei ein wichtiges Element. Nur sollten wir das große Ganze im Blick behalten. Wir können es uns leisten, Lebensmittel für die Energiegewinnung zu nutzen. Unser Hunger ist mehr als gestillt. Aber das ist nicht überall so. Wir sollten sensibel bleiben für den Hunger in der Welt. Und den Anteil, den wir daran haben. Ihre Frage ist also mehr als berechtigt. Und lässt sich nicht einfach mit ja oder nein beantworten. Mich hat sie aber erneut zum Nachdenken gebracht.

Haben Sie auch eine Gewissensfrage? Dann schicken Sie sie einfach per Post an "Gewissensfragen", c/o Evangelische Kirche im NDR, Knochenhauerstraße 38-40, 30159 Hannover. Sie können aber auch ganz einfach das Formular im Anhang dafür verwenden.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Darf ich das? | 18.07.2017 | 10:00 Uhr