Stand: 04.03.2016 12:20 Uhr

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von Oliver Vorwald

"Kann ich meine Kirchengemeinde wechseln wie den Stromanbieter? Seit einiger Zeit bin ich in einem tollen Chor in der Nachbarschaft aktiv. Wir geben Konzerte, singen auch im Gottesdienst. In dieser Gemeinde fühle ich mich pudelwohl und würde gerne dazu gehören. Geht das?"

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Ein gutes Chorangebot kann ein Grund für einen Wechsel der Gemeinde sein.

Wie in der Werbung. Wechseln geht auch in der Evangelischen Kirche ganz einfach. Manche Gemeinden bieten dafür sogar Formulare im Internet an. Wenn das nicht vorhanden sein sollte, tut es auch ein einfacher Brief. Anliegen begründen - zum Beispiel: fühle mich im Chor beheimatet, Briefmarke draufkleben und ab in die Post. Dann braucht es ein paar Tage, vielleicht auch Wochen, wie beim Stromanbieter. Das Antwortschreiben klingt in allermeisten Fällen so: "Herzlich willkommen. Wir begrüßen Sie als neues Mitglied."

Normalerweise entscheidet der Wohnort

Der Wechsel in Wunschgemeinde heißt im Kirchendeutsch "Umpfarrung" oder "Umgemeindung". Heute zählt er zu den Selbstverständlichkeiten im Service der niedersächsischen Landeskirchen. Wird davon kein Gebrauch gemacht, entscheidet der Wohnort über die Zugehörigkeit zu einer Kirchengemeinde. Diese Regelung ist alt. Sie hat ihren Ursprung im 6. Jahrhundert. Ab dem Frühmittelalter entstanden in allen christlich geprägten Ländern Seelsorgebezirke, sogenannte Parochien. Die Bewohner einer Parochie mussten für den Unterhalt ihres Pfarrers sorgen. Umgekehrt war der Pfarrer für alle geistlichen Bedürfnisse der Angehörigen seines Seelsorgebezirks verantwortlich. Der Vorteil: Die Zuständigkeiten für Taufe, Trauung, Trauer waren klar geregelt. Diese wechselseitige Gebundenheit hat sich im Grunde bis in unsere Zeit erhalten. Sie ist allerdings kein Muss mehr. Die Lebensumstände haben sich in den vergangenen Jahrzehnten rasant verändert. Kaum jemand verbringt sein ganzes Leben an einem Fleck. Deshalb ist heute nicht allein der Wohnort maßgeblich. Auch der Wunsch entscheidet über die Zugehörigkeit zu einer evangelischen Kirchengemeinde. Wie in der Werbung.

Wobei auch die Frage erlaubt sein sollte: Muss jemand die Kirchengemeinde wie den Stromanbieter wechseln? Im Chor der Nachbarn mitsingen, geht auch so. Da bietet die Evangelische Kirche mehr Freiheit als jeder Stromanbieter. Denn alle Gemeinden gehören zusammen - zu einen großen Glaubensgemeinschaft.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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