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von Jan von Lingen

"Es gibt zwei Bezeichnungen für den Sonntag, an dem wir an die Verstorbenen denken: Die einen sagen 'Ewigkeitssonntag', die anderen 'Totensonntag'. Warum gibt es diese zwei Namen?"

Das stiftet tatsächlich etwas Verwirrung. Gemeint ist aber derselbe Sonntag. Es ist der Sonntag, an dem in den Kirchengemeinden an die Verstorbenen erinnert wird. Eingeführt wurde der Feiertag von dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. im Jahr 1816 zum "Gedächtnis der Entschlafenen", wie es damals hieß. Heute werden an diesem Sonntag die Namen der Verstorbenen des Jahres noch einmal im Gottesdienst verlesen, das ist oft sehr bewegend und traurig.

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Am Totensonntag gedenken evangelische Christen den Verstorbenen.

Eine Erinnerung an die Toten also. Und warum heißt der Sonntag dann nicht einfach "Totensonntag"? Nomen est Omen, sagt ein Sprichwort, der Name hat eine Bedeutung. Und darum nennt die Kirche diesen Sonntag bewusst anders: Ewigkeitssonntag. Der Kirchenkalender macht auf diese Weise deutlich: Es geht nicht nur um den Tod. Der Glaube will über den Tod hinausblicken und die große christliche Hoffnung ins Blickfeld rücken: Himmel, Auferstehung, Ewigkeit. Der Name "Ewigkeitssonntag" hält fest, dass es hinter dem Horizont noch weitergeht, auch wenn wir das nicht sehen können.

Zwei Namen - ein Tag

Totensonntag - Ewigkeitssonntag. Zwei Namen für einen kirchlichen Gedenktag. Sie sind wie zwei Seiten einer Medaille. Wir können den Tag drehen und wenden wie eine Münze in der Hand: Tod - Ewigkeit. Ewigkeit - Tod. Was liegt uns näher? Sicher hat das auch mit dem eigenen Glauben, aber auch mit Trauererfahrungen zu tun: Mancher Tod war eine Erlösung und so natürlich wie ein Gang über den Hof. Andere Angehörige wurden aus unserem Leben gerissen und stürzten uns ins Bodenlose.

Was ist der Tod? Der größte Feind, sagt Paulus einmal. Und an anderer Stelle widerspricht er sich selbst und schreibt: "ein Siegeslauf"! Der Tod ist das letzte große Geheimnis. Und dieses lüftet nur Gott. Über ihn wird in Psalm 139 gesagt: Finsternis ist nicht finster bei Dir, Gott. Und die Nacht leuchtet wie der Tag! Ewigkeitssonntag werden in einigen Kirchen nicht nur die Namen der Verstorbenen verlesen, sondern für sie auch Kerzen entzündet. Denn wer sagt, dass am Ende alles dunkel ist?

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.