Stand: 03.11.2016 13:41 Uhr

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von Andreas Brauns

"In der Bibel heißt es doch: 'Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun.' Warum steht so etwas überhaupt im Buch der Bücher? Ist das nicht längst überholt?"

Nur weil wir uns heute anders verhalten, ist die uralte Aussage nicht überholt. Im Gegenteil: Die Aussage findet sich sogar mehrfach in den ersten Büchern der Bibel, vor allem im zweiten und im fünften Buch. Allerdings steht vor dem Satz mit der Arbeit meist noch ein anderer kurzer Satz - "Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig!"

Ausruhen am siebten Tag

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In der Bibel war der Sabbat oder Sonntag heilig - und damit Arbeit ein Tabu.

Damit verpflichtet der Herr sein auserwähltes Volk auf eine bestimmte Zeitordnung. Seine Ordnung. Der Mensch ist erschaffen nach dem Bild des Schöpfers. Er ist ihm ähnlich. Wie könnte er dann nur arbeiten, wo doch der Schöpfer an einem Tag der Woche geruht hat? Mit dem Gebot, "Halte den Sabbat heilig", wird deutlich: Mensch, dieser Sabbat, diese Zeit der Ruhe, sie verbindet dich mit deinem Schöpfer.

Und damit auch klar wird, wie ernst das gemeint ist, heißt es im zweiten Buch der Bibel: "Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun, du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin, dein Vieh und der Fremde, der in deinen Stadtbereichen Wohnrecht hat. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel, Erde und Meer gemacht und alles, was dazugehört; am siebten Tag ruhte er. Darum hat der Herr den Sabbattag gesegnet und ihn für heilig erklärt." (EX 20,10f)

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Der Mensch ist nicht nur für die Arbeit da

Der Sabbat im Judentum, der Sonntag bei den Christen. An ihm soll Gott im Mittelpunkt stehen - bei allen seinen Geschöpfen. Arbeit war sogar für Tiere und Sklaven tabu. Doch schon immer hat man versucht, diese strikte Regel irgendwie zu umgehen. Viele Menschen können mit Ruhe nichts anfangen. Sie werden unruhig. Vielleicht, weil sie den Gottesbezug verloren haben, vielleicht aber auch, weil sie den Bezug zu sich selbst verloren haben - vor lauter Arbeit, die nicht selten in ein Hamsterrad zwingt. Arbeit, die längst den Tag der Ruhe für viele Menschen zum Arbeitstag gemacht hat. Und sie damit herausgerissen hat aus einem Leben, in dem ein gemeinsamer freier Tag für fast alle daran erinnert: Der Mensch ist nicht nur für die Arbeit da. Auch nicht im 21. Jahrhundert.

Mehr aus dieser Sendereihe lesen Sie in: "Noch eine Frage, Herr Pfarrer. 111 himmlische Antworten", LVH, 2010.

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