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Die Redezeit - Das Chatprotokoll

Lutz Marmor im NDR Info Chat  Fotograf: Marco Maas Detailansicht des Bildes Im Anschluss an die Redezeit Sendung "Zwischen Blödsinn und Bildung – Welche Qualität braucht das deutsche Fernsehen?" haben sich der NDR Intendant Lutz Marmor und Fernseh-Chefredakteur Andreas Cichowicz im Chat Fragen zum Thema gestellt.

Hier das Protokoll zum Nachlesen:

Gast3: Insbesondere interessiert mich, warum samstags und sonntags zur Primetime in der ARD so oft so dämlich flache Musiksendungen kommen? Hier wünsche ich mir mehr Mut und intelligente Fernsehspiele - nicht nur Mord und Liebe.

Lutz Marmor: Sonntags läuft der Tatort. 20.15 Uhr im Ersten! Samstags gibt es in der Tat ab und an Volksmusik. Da gefällt mir auch nicht alles. Wir sind dabei, neue Formate zu entwickeln.

Gast1: Warum müssen die Öffentlich-Rechtlichen sich nach Quoten richten? Im Gegensatz zu den Privaten sind sie doch darauf nicht angewiesen?

Andreas Cichowicz: Wir wollen Qualität bieten, aber wir müssen damit auch möglichst viele Menschen erreichen. Wir bekommen die Gebühren nämlich für alle, nicht nur für die Minderheiten.

Gast1: Noch etwas: "Was liest du?" (WDR) und "Charlotte Roche“ (3sat) sind wunderbare Sendungen, die Bildung unterhaltsam vermitteln. Solche Sendungen würde ich gerne früher und auf ARD und ZDF sehen. Da fehlt meiner Meinung nach der Mut.

Lutz Marmor: Ich finde entscheidend, dass Sendungen mit Mut überhaupt einen Platz im Programm finden. Ab und an gibt es ja auch die Möglichkeit, den Videorekorder zu nutzen - oder auch die ARD Mediathek.

Andreas Cichowicz: Wir haben zum Beispiel den Weltspiegel, das Auslandsmagazin, noch in der Primetime. Das ZDF hat sein Auslandsjournal spät in die Nacht verschoben.

Gast1: Manchmal fehlt es aber offenbar am Mut. Das überaus sehenswerte Porträt von Maischberger über Helmut Schmidt wurde erst im Spätprogramm versteckt. Als die Quote überraschend hoch war, hat die ARD sich dann doch getraut, dem Publikum so etwas in der guten Sendezeit "zuzumuten".

Lutz Marmor: Bei Maischberger und Helmut Schmidt haben Sie Recht.

Gast7: Warum legen Sie nicht einfach ARD und ZDF zusammen, um so zu mehr Qualität zu gelangen?

Lutz Marmor: Wir leben auch vom Wettbewerb zwischen ARD und ZDF. Beide stehen für Qualität und davon gibt es vielleicht doch eher zu wenig als zu viel.

Andreas Cichowicz: Ich bezweifle, dass wir dabei mehr Qualität erreichen würden: Wir sind schließlich auch Konkurrenten und das sieht man auch im Programm.

Gast9: Herr Marmor, eine Frage zu  Ihrer neuen Sendung "Liebe in Not". Warum macht der NDR Dokusoaps? Und wie unterscheiden die sich von den Privaten?

Lutz Marmor: "Liebe in Not" ist ein Versuch. Ich habe die Sendung selbst noch gar nicht sehen können, da ich gerade mit Ihnen chatte. Aber ich werde mir ein Urteil bilden.

Gast8: Weshalb nutzt kein Fernsehmacher die (zugegeben brachial und mit Unkenntnis!) von MRR aufgestoßene Tür, um das aktuelle Fernsehprogramm zu verbessern? Stattdessen wird es nur verteidigt und der Tanz um das goldene Quotenkalb legitimiert! Haben Sie gar nicht den persönlichen Anspruch ein besseres Programm zu machen? Jetzt wäre dir Chance dazu!

Andreas Cichowicz: Ich finde, dass die Öffentlich-Rechtlichen überwiegend sehr gutes Qualitätsprogramm machen. Zudem gibt es neben ARD und ZDF mit 3SAT, Arte und KiKa ebenfalls Sender - finanziert mit Ihren Gebühren - die Spezialinteresse wie Dokus, Theateraufführungen oder Konzerte und Wissenssendungen ausstrahlen. Insofern war MRR mir zu allgemein.

Lutz Marmor: Es ist völlig richtig. Die Diskussion über die Qualität des Fernsehens ist nicht von MRR entdeckt worden. Sie begleitet uns - was auch okay ist - seit Jahrzehnten.

Niveau gesunken?

Gast5: Guten Abend,zunächst einmal stelle ich fest, dass der NDR viele sehr gute Sendungen im Programm hat, so zum Beispiel das Kulturjournal, die Weltbilder bzw. den Weltspiegel, das Politmagazin Panorama und nicht zuletzt das hervorragende Medienmagazin Zapp. Auch die vom NDR produzierten Naturfilme und Dokumentationen sind besonders gut gemacht. Leider ist das Niveau im Fernsehen insgesamt in den letzten zehn Jahren gesunken. So nimmt der Boulevard-Anteil und die seichte Unterhaltung auch in den öffentlich rechtlichen Programmen stetig zu. Dies ist auch im NDR-Fernsehen zu beobachten. Das Nachmittagsprogramm besteht aus Telenovelas, der Wiederholung von „Brisant“ und einer Sendung namens „Mein Nachmittag“. Hier erübrigt sich jeder Kommentar. 

Gast5: Warum wurde die so erfolgreiche Sendung „NDR aktuell“ zu einem aktuellen Thema am Mittwoch um 21:00 Uhr durch die „Menschen und Schlagzeilen“ersetzt?

Andreas Cichowicz: Weil es nicht in jeder Woche tatsächlich ein aktuelles Thema gab, das wir vertiefen konnten. Dennoch stimme ich zu, dass es gut wäre, wenn man wieder einen Platz pro Woche für eine vertiefende Hintergrundsendung im NDR Fernsehen hätte.

Gast3: Ich würde gerne Sendungen (Filme) in der Originalsprache sehen, wenigstens auf englisch! Ist es trotz digitalem Fernsehen nicht möglich?

AndreasCichowicz: Es gibt häufig Zweikanalton - aber leider nicht immer. Wir versuchen, es so oft wie möglich umzusetzen.

Gast1: Warum haben ARD und ZDF die Auseinandersetzung mit Reich-Ranicki nicht gewagt, sondern an Gottschalk delegiert?

Lutz Marmor: Ich habe überhaupt nichts delegiert. Das ZDF hat den Sendetermin ohne jede Absprache mit mir festgelegt und das ZDF schickte mir auch keine Einladung. Zumindest deshalb stelle ich mich heute Ihnen allen.

Gast10: Es war in der Sendung mehrfach von Perlen die Rede, die man nur suchen muss, und irgendwann viertel vor Mitternacht laufen sogar interessante Dokumentationen. Warum ist es so schwer, eine übersichtliche Mediathek ins Netz zu stellen, in der man diese Sendungen später bequem ansehen kann? Damit wäre schon viel erreicht.

Lutz Marmor: Der NDR arbeitet gerade intensiv an einer NDR Mediathek. Wir müssen allerdings in einem sehr komplizierten Prozess, den uns auch die Rundfunkpolitik eingebrockt hat, die Mediathek durch die Gremien genehmigen lassen. Das wird noch dauern.

Volker.H: Herr Marmor, die 14- bis 29-jährigen erreichen Sie kaum noch. Können die dann aufhören, Gebühren zu zahlen?

Lutz Marmor: Das stimmt so nicht. Zum Beispiel die Bundesliga Sportschau und die Tagesschau haben auch viele jüngere Zuschauer. Und vergesst bitte auch nicht NJoy! Auch das kommt vom NDR.

Gast5: Um 20:15 Uhr sucht man im deutschen Fernsehen meist vergeblich nach anspruchvollen Spielfilmen. Muss der Spielfilm „Im Westen nichts Neues“ wirklich erst um 0:30 Uhr laufen.

Lutz Marmor: „Im Westen nichts Neues“ ist schon mehrfach im ARD Programm und in den Dritten gelaufen. Deshalb halte ich es für vertretbar, es im Anschluss an die Dokumentation zu senden.

Andreas Cichowicz: Es gibt natürlich gute Spielfilme, auch im Ersten um 20.15, z. B. "Das Leben der Anderen" oder zuletzt die Dürrenmatt-Verfilmung "Besuch der Alten Dame". Jeden Mittwoch gibt es zur besten Sendezeit neue Spielfilme, die vielleicht erst noch Klassiker werden.

Gast13: Ich muss den NDR mal loben. Wenn man sieht, was die Privaten so bringen, ist das was die ARD und das ZDF machen, Qualitätsfernsehen. Natürlich gibt es auch "Schund" bei ARD und ZDF, aber das ist wirklich selten und Ansichtssache.

Gast8: Sie sagen immer, es sei arrogant, das "Unterschichtenfernsehen" zu verdammen. Ist es nicht viel arroganter zu sagen, wir würden ja auch gerne mehr Qualität senden, aber das Publikum versteht das nicht? Machen Sie es sich da nicht zu leicht? Klar, Opium für das Volk ist leichter als sich ein kompetentes Publikum über eine längere Zeit heranzubilden. Das braucht natürlich einen längeren Atem!

Lutz Marmor: Ich habe nie gesagt, dass wir gerne mehr Qualität senden wollen, das Publikum uns aber nicht verstehe. Ganz im Gegenteil, ich habe dafür geworben, dass es in allen Genres Qualität geben muss. Von der Volksmusik über die Unterhaltung bis hin zur Politik.

Gast8: Ihr unterschätzt Euer Publikum und ruht Euch auf der eingelullten Masse vor dem Bildschirm namens Quote aus! Wer nur Tiefkühlerbsen kennt, kann nicht wissen wie frische Erbsen schmecken! Nehmt endlich das Publikum ernst und hört auf, es zu veräppeln!!! Immerhin bezahlen wir Euch dafür. Und den Bildungsauftrag darf man auch nicht vergessen. Einfach mal aufhören zu gucken, was RTL und SAT.1 so machen!

Lutz Marmor: Es gibt genug Programme mit "frischen Erbsen" von anspruchsvollen Fernsehspielen (z.B. demnächst das Feuerschiff) bis zum "Schweigen der Quandts" oder "Inas Nacht".

Matti 1: Herr Marmor, Sie nennen „Inas Nacht“. Können Sie einem Unwissenden wie mir kurz das Format anreißen.

Lutz Marmor: "Inas Nacht" kommt freitags um Mitternacht.

Frank: Da schlafen dann alle.

Lutz Marmor: Dafür kann man auch mal wach bleiben. Außerdem geht es dort durchaus schräg, schrill mit Musik, Gesang, Bier, halt wie in einer Hafenkneipe zur Sache!

Frank: In der Woche ist das ARD Programm meist Okay, aber am Wochenende, da bleiben einem nur das Kino, die DVD oder manchmal auch ein Privatsender. Und der seit Jahren sonntägliche Tatort wird immer brutaler oder langweiliger, hat sich einfach totgelaufen.

Andreas Cichowicz: Das sehen die Millionen Tatort-Zuschauer aber überwiegend anders. Das ist immer noch eine der erfolgreichsten und besten Reihen im deutschen Fernsehen.

Gast13: Der sonntägliche Tatort ist immer noch ein Höhepunkt des Programms. Dass er brutaler geworden ist, ist mir noch nicht aufgefallen. Sollte es Ihnen zu brutal sein, gibt es die Möglichkeit, das Programm zu wechseln oder den Fernseher auszuschalten.

Lutz Marmor: Zur Tatort Diskussion: Jetzt am Sonntag 20.15 Uhr gucken! Da gibt es etwas Neues.

Gast3: Ich wünsche mir, dass bei Musiksendungen oder –shows die Kameras ruhiger gefahren werden. Da kommt etwas ins Bild, das man sich genauer ansehen möchte und dann Schwupps! Schnitt! Nächste Kamera, Stroboblitze, Reizüberflutung...

Andreas Cichowicz: Die Kritik nehme ich gern mit und rede darüber mit den Regisseuren, denn die schneiden das Bild. Ich finde heutzutage ein länger stehendes Bild viel interessanter als schnelle Schnitte.

Frank: Eine andere Frage zu einem Punkt, der uns sehr stört! Muss sich bei der Fremd- und auch Eigenwerbung die Lautstärke eigentlich immer verdoppeln?

Andreas Cichowicz:: Mich stört es auch gewaltig, ich werde mich da erkundigen. Schicken Sie mir bitte eine E-Mail an  a.cichowicz@ndr.de und ich antworte.

Gast1: Warum haben ARD und NDR im Vergleich zum ZDF einen so rückständigen Internet-Auftritt?

Lutz Marmor: Bisher hatten wir andere Prioritäten. Das hängt auch mit dem Geld zusammen. Aber wir sind gerade dabei, unseren Rückstand aufzuholen.

Frank: Internet und Mediathek sind ganz gut. Am besten noch mehr Downloads zum Nachsehen und -hören, und das nicht nur für ein paar Tage. Bravo für Ihren Kampf mit der Politik und den Verlegern, weiter so Herr Marmor.

Mekaniktom: Es gibt in bundesdeutschen Haushalten nur 5.500 Geräte, die die angebliche Quote vermitteln, welche Sender gerade konsumiert werden. Glauben Sie ernsthaft, dass dies repräsentativ ist? Es stellt sich mir die Frage: Welche Personen werden begünstigt, ein solches Gerät bereitgestellt zu bekommen?

Andreas Cichowicz: Ich habe keines. Nach allem, was wir wissen, ist das Verfahren allerdings repräsentativ. Auch in der Politik kann man nach Umfragen bei 1.000 Menschen zuverlässig Aussagen darüber treffen, wie eine Wahl ausgehen könnte.

Erzi: Wie wird denn hochgerechnet - auf die Masse?

Andreas Cichowicz: Ja.

Gast16: Hallo! Mein erster Chat, also hier die Frage: Was bedeutet Quote überhaupt genau und wie aussagekräftig ist sie wirklich? Sind diese "Probegucker" wirklich anonym? Wie werden sie ausgesucht? Mir kommt das immer sehr mystisch vor.  

Andreas Cichowicz: Hochrechnung: Prozentual umgerechnet auf alle, die vor dem Fernseher sitzen, daher heißt es auch nicht Quote, sondern Marktanteil.

Mekaniktom: Wer wählt jene Menschen aus, die einen Decoder bekommen, der auf den Marktanteil umgerechnet wird?

Lutz Marmor: Die gfk wählt die Menschen aus. Wie das funktioniert: www.gfk.de

Gast1: Könnte der NDR neben hausgemachter Satire nicht auch mal Kabarett senden, eins zu eins? WDR und BR sind in dieser Hinsicht deutlich unterhaltsamer. Es gibt doch auch norddeutsches Kabarett! Ist doch schon seltsam genug, dass Dittsche nicht selbst gemacht, sondern übernommen wird.

Lutz Marmor: Wir übernehmen die Mitternachtsspitzen vom WDR. Zugegebenermaßen zu einer ziemlich späten Sendezeit. Zu Dittsche: Ich bin selbst ein großer Fan. Inzwischen beteiligt sich der NDR auch finanziell an dieser Produktion.

Volker.H: Herr Marmor, mich interessiert: Wie kann es sein, dass Pharmafirmen sich in Dialoge von Serien wie "In aller Freundschaft" einkaufen können.

Lutz Marmor: Schleichwerbung ist verboten. Es ist offensichtlich damals bei den Dialogen bzw. Handlungssträngen von den Experten nicht erkannt worden.

Volker-H: Wie kann so etwas denn übersehen werden? Gibt es bei Ihnen keine Kontrollen?

Lutz Marmor im NDR Info Chat  Fotograf: Marco Maas Detailansicht des Bildes Lutz Marmor: Inzwischen gibt es eine eigene Prüfstelle für Schleichwerbung. Schleichwerbung "schleicht sich", deshalb ist sie leider nicht immer einfach zu erkennen, insbesondere wenn Themen, die auch sonst im Alltag eine Rolle spielen können, von interessierten Organisationen platziert werden. Und wenn wir Schleichwerbung entdecken, handeln wir auch.

Erzi: Herr Marmor: wie wird dann gehandelt? Das ist sehr spannend!

Lutz Marmor: Zum Beispiel ist der damalige Chef der Produktionsfirma Bavaria nicht mehr im Amt.

Gast3: Wenn bei der Tagesschau Politiker oder andere Personen im Bild sind und sprechen, wird deren Namen und Status links unten im Bild eingeblendet. Wenn ich dem Sprechenden eine Weile zuhöre und dann den Namen lesen will, wird er ausgeblendet. Warum bleibt das nicht während des ganzen Beitrages da stehen?

Andreas Cichowicz: Beim Fernsehen ist das Bild die Hauptbotschaft. Die wollen wir transportieren. Alles andere auf dem Bildschirm lenkt nur ab, aber natürlich möchte man zu Beginn eines Beitrags erfahren, wer ihn gemacht hat, oder wer gerade spricht.

Gast15: Warum werden anspruchsvollere Musiksendungen auf das Nachtprogramm verschoben? Wer will so etwas?

Andreas Cichowicz: Im Hauptabendprogramm laufen sie bei 3Sat oder Arte, dort hat z. B. um 20.15 Uhr das Abschlusskonzert der Schleswig-Holstein Musik-Festspiele 100.000 Zuschauer interessiert. In unserem ARD-Programm möchten wir im Hauptabend aber mehr Zuschauer für unsere Programme interessieren

Gast5: Warum läuft seit einiger Zeit keine plattdeutsche Sendung wie "talk up platt" um 20:15 Uhr im NDR Fernsehen?

Andreas Cichowicz: Talk up Platt: Ich persönlich liebe Platt, aber leider ist die Schnittmenge derer, die so fühlen wie ich, sehr klein. Deshalb versuchen wir Platt überall auf der Welt zu entdecken und mit einem pfiffigen Moderator einer größeren Zuschauergruppe zugänglich zu machen.

Matti1: Als Intendant können sie mir doch auch sicher eine Frage zum Radio beantworten: Wenn ich mich informieren will bleibt mir im Norden nur die Wahl Nachrichten pur (NDR Info) oder Nachrichten, vermischt mit volkstümlicher Musik (NDR 1 (in meinem Fall Niedersachsen)) zu hören. Warum werden der Jugend (N-Joy) oder dem Mittelalter (NDR2) Hintergrundinfos vorenthalten. Warum müssen NDR2 und N-Joy das flache Programm der Privaten (ffn, Antenne) kopieren.?

Lutz Marmor: Zum Radio: Nordwest Radio machen wir gemeinsam mit Radio Bremen. NDR2 und N-JOy haben gerade nochmals eine "Wissensoffensive" gestartet und auch neue Hintergrundformate eingeführt.

Mr.J: Aber warum besteht die "Wissensoffensive" bei NDR2 aus Beiträgen, die so auch beim RBB laufen?

Andreas Cichowicz: Wissensoffensive: Auf NDR Info senden wir jeden Freitag um 21.05 das Wissenschaftsmagazin Logo. Jeden Dienstagmorgen um kurz vor sieben und kurz vor neun kommt bei NDR Info der Astrophysiker und Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar zu Wort. Jeden Donnerstag um 15.56 und 17.56 läuft die Reihe Weltwissen. Von GEO gibt es auch GEOlino für Kinder, wir haben eben den KiKa und andere Programme. Und erst das macht öffentlich-rechtliche Gesamtheit aus.

Gast15: Warum muss ich für die Übertragungsrechte der Fußballspiele mitbezahlen?

Lutz Marmor: Die Gebühr beruht darauf, dass alle für das Gesamtangebot bezahlen. Der Kulturinteressierte für Fußball, der Fußballinteressierte für Volksmusik usw. Nur deshalb können wir ein so umfangreiches Angebot für 40 Cent am Tag bieten.

Matti1: Ist es möglich ein Logfile des Chats anschließend per Mail zu bekommen?

Moderator: Das Protokoll gibt es morgen aufbereitet hier auf der Seite zum Nachlesen. Auch mit Bildern der beiden Chatter. 

Gast8: Mal eine persönliche Frage: Findet Ihr das Fernsehprogramm, das Ihr macht gut? Habt Ihr wirklich das Gefühl das bestmögliche zu machen? Oder würdet Ihr nicht auch gerne langfristig etwas an dem Niveau ändern? Ist dazu der Intendantenalltag zu kurzlebig? Oder hat man als Intendant wirklich keine Chance gegen den so oft bemühten Mob vor den Bildschirmen?

Lutz Marmor: Ich stehe zu dem Gesamtangebot. Und finde auch vieles, was mich persönlich interessiert oder auch unterhält.

Mekaniktom: Warum wurde die implizite Kritik an das TV überhaupt des Herrn Kalkofe bisher 14 Jahre ignoriert, aber eine kurze Rede von Marcel Reich Ranicki löst eine Lawine aus?

Lutz Marmor: Das Fernsehen hat sich immer schon der Kritik stellen müssen. Die Medienseiten der Zeitungen sind voll von qualifizierten Kritiken. Mit denen beschäftigen wir uns ebenso wie mit den Kritiken der Zuschauer. 

Matti1: Herr Mamor, natürlich stand das Fernsehen immer in der Kritik, aber doch nur weil man es nie allen Recht machen kann. Aber die Qualität hat doch nachgelassen. Sendezeiten von Politmagazinen werden verkürzt. Obwohl es dank der digitalen Welt viel mehr Sendeplatz gibt. Sendungen wie Zapp oder Extra Drei versauern in den dritten, damit das Hauptprogramm, das alle bedienen soll, mit Soaps und Co aufgefüllt werden kann.

Lutz Marmor: Zapp war schon im Ersten und ich würde mir wünschen, dass es auch weiterhin eine Chance im Ersten bekommt. Allerdings entscheide ich das nicht allein. Zapp ist sehr kritisch und läuft weiter im NDR Fernsehen. Dort kann es jeder sehen. Da jeder Sendeplatz im Ersten heftigst umkämpft ist, braucht der NDR eine einfache Mehrheit unter den Intendantinnen und Intendanten.

Frank: Der Aufwand für Peking war zu hoch. Man muss nicht jede Szene aus vier Perspektiven sehen. Und die Reisen der Oberen waren für mich unverständlich und die reine Verschwendung.

Lutz Marmor: Zu Peking: Das Publikum hat uns sehr gute Noten gegeben. Das hat auch damit zu tun, dass wir die sehr teuren Rechte auch mit entsprechendem Produktionsaufwand übertragen haben. Für mich war es absolut notwendig und sinnvoll, dass ich zwei Tage vor den Spielen und drei Tage während der Spiele vor Ort in Peking war. Auch dazu stehe ich. Die Produktionsbedingungen waren schwierig. Gott sei Dank, ist alles gut gegangen. Unser Team hat wirklich eine tolle Leistung gebracht.

Erzi:  Haben Sie die Zensur am "eigenen Leibe" erlebt? Oder war alles reibungsfrei?

Lutz Marmor: Unsere Korrespondenten in Peking stehen in ständiger Auseinandersetzung mit den Behörden. Sie haben mir aber berichtet, dass es immerhin eine leichte Verbesserung gegenüber früheren Zeiten gegeben hat. Und offenbar bleibt das auch nach den Spielen so.

Gast 1: Warum müssen bei Olympia ARD und ZDF getrennt arbeiten, warum nicht ein gemeinsames Team?

Andreas Cichowicz: Zu Olympia: Wir haben ein gemeinsames technisches Team. Nur die Redaktionen arbeiten für ihren jeweiligen Sender und das ist der kleinere Teil. Das macht auch Sinn, weil niemand rund um die Uhr durcharbeiten kann - ZDF und ARD wechseln sich also ab. Und in den freien Tagen machen die ARD-Leute dann auch Stücke für die Digitalkanäle oder recherchieren neue Stories. 

Mr.J: Aber warum wurden im Gegensatz zu Athen die Digitalkanäle nur teilweise zugeschaltet? Also nur acht bzw. zwölf Stunden, anstatt 24 Stunden, wo wirklich jede Sportart hätte gezeigt werden können.

Lutz Marmor: Das habe ich auch sehr bedauert. Für meinen Wunsch, die Digitalkanäle intensiver für Olympiaübertragungen zu nutzen, gab es bei ARD und ZDF keine Mehrheit.

Erzi: Frage: Gibt es klare Grenzen seitens der Intendanten, ab wann ein Programm zu unethisch wird?

Lutz Marmor: Klar gibt es Grenzen. Menschenverachtende Sendungen dürfen bei uns nicht stattfinden.

Erzi: Sehen Sie diese Grenzen bei den Privaten verletzt? Pannenshows sind ja nicht selten.

Lutz Marmor: Natürlich gibt es Sendungen bei den Privaten, die ich nicht bei uns sehen möchte. Von Big Brother bis zu DSDS in der jetzigen Form. 

Andreas Cichowicz: Pannenshows haben wir bei ARD und NDR nicht im Programm. Auch kein Big Brother, aus eben diesen Gründen.

Gast 8: Ihr ward doch die ersten mit Pleiten, Pech und Pannen.

Andreas Cichowicz: Da kamen doch Versprecher vor oder der Putzmann, der während der Tagesschau durchs Bild lief. Wir haben strenge Regeln für Grenzen . Darüber diskutieren wir auch regelmäflig, z.B. wann Opfer-Bilder in der Tagesschau (etwa bei Anschlägen) zu blutig sind und die Opfer an ihrem Recht am eigenen Bild "berauben“.

Mr.J: Dagmar Reim hat mal in einem Gespäch über den NDR gesagt: "Was glauben Sie, womit der NDR erfolgreich ist? Mit knallharter Politikberichterstattung oder mit dem Küstenimage?" Was sagen Sie dazu?

Lutz Marmor: Zu Dagmar Reim: Das eine schließt das andere nicht aus. Die Mischung macht’s!

Gast1: Wann gibt es die nächste Redezeit in eigener Sache und zu welchem Thema?

Lutz Marmor: Im Dezember wird es noch mal eine Redezeit in eigener Sache geben. Das Thema wird aktuell bestimmt.

Moderator: Gut , dann danke ich den beiden Gästen und den Mitchattern für die spannende Runde - und wünsche eine gute Nacht!

Andreas Cichowicz: Danke an alle und jetzt - ab vor den Fernseher!

Lutz Marmor: Vielen Dank auch von mir. War spannend und werden wir sicher noch mal wiederholen!

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