Stand: 05.09.2017 17:11 Uhr

Pro und Kontra: Schröder geht zu Rosneft

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Altkazler Gerhard Schröder wird Aufsichtsrat bei Rosneft.

Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder wird heute Aufsichtsrat, wahrscheinlich gar Aufsichtsratschef beim teilstaatlichen Öl-Konzern Rosneft. Nicht der erste Job, den der Sozialdemokrat in und für Russland erledigt, weil der Headhunter Vladimir Putin ihn empfahl. In Deutschland stören sich viele an der neuen Aufgabe. Nicht nur, weil wieder der Rubel rollt, obwohl Schröder aus deutschem Steuergeld ein gutes Auskommen als Altkanzler hat. Auch weil Rosneft mit seiner engen Bindung an den Kreml auf der Sanktionsliste der EU steht. Schröder sagt dazu: Es geht um mein Leben und darüber bestimme ich.

Pro

"Schröder repräsentiert eine deutsche Stimme bei Rosneft", meint Ulrich Czisla.

Zwölf Jahre ist es her, da war Gerhard Schröder Bundeskanzler. Seit heute sitzt er im Aufsichtsrat eines international agierenden russischen Ölkonzerns - zusammen mit Vertretern unter anderem von BP, Glencore und aus Dubai. Was soll daran falsch sein?  Schröder repräsentiert in seiner neuen Funktion eine deutsche Stimme bei Rosneft, einem Unternehmen das immerhin für ein Viertel aller deutschen Rohöl-Importe verantwortlich ist. Wäre der Ex-Kanzler nicht in das sogenannte "Board" eingezogen, hätte die deutsche Politik eigentlich mit aller Macht auf einen anderen deutschen Vertreter dort drängen müssen – aus purem Eigeninteresse.

Vor allem haben die EU-Sanktionen gegen Russland nichts damit zu tun. Denn bei ihnen handelt es sich im Wesentlichen um Beschränkungen technischer Hilfen und von Krediten für die russische Ölindustrie - aber nicht um Vorschriften über die Besetzung von Aufsichtsräten.

Ernstgemeinte EU-Sanktionen gegen den Kreml würden die Rohöl-Importe aus Deutschlands wichtigstem Lieferland einschränken. Das hätte allerdings nicht nur auf Russland, sondern auch auf unsere Wirtschaft massive Auswirkungen. Solange das aber nicht passiert, ist die Kritik an Schröder bigott. Statt selbst etwas zu tun, wird mit dem Finger auf den Ex-Kanzler gezeigt. Das ist ja auch einfacher.

Kontra

"Rosneft geht gar nicht! ", meint Arne Schulz.

Im Ernst? Von so einem Konzern lässt Gerhard Schröder sich anheuern? Die juristische Bewertung - geschenkt. Aber moralisch gesehen muss man sagen: Rosneft geht gar nicht! In dem Weltkonzern hat nur einer das Sagen: Vorstandschef Igor Setschin. Und der tanzt seit langem nach Putins Pfeife. Investiert zum Beispiel Milliarden in Venezuela, um das Regime Maduro zu stützen, auch wenn das ökonomisch gar keinen Sinn macht.

Über den Aufstieg von Rosneft gibt es dubiose Geschichten, die von Korruption handeln und vom Ausschalten unbequemer Konkurrenten. Beweise fehlen - aber seinen schlechten Ruf hat sich das Unternehmen hart erarbeitet. Und jetzt wird Schröder das lächelnde Gesicht dieses zwielichtigen Konzerns, während - aus dem Zwielicht heraus - Setschin und Putin ungestört die Fäden ziehen. Kein Wunder, dass der Coup in Russland gefeiert wird.

In Wahrheit hat der frühere Bundeskanzler schon vor Jahren seinen moralischen Kompass verloren. Seine innige Freundschaft zum russischen Präsidenten - darüber kann man nur fassungslos den Kopf schütteln. Schröder will etwas gegen die Dämonisierung Russlands tun, sagt er. Das ist toll! Wenn es ihm Ernst ist mit der Völkerverständigung, dann habe ich hier einen Vorschlag: Bauen Sie Brücken, Herr Schröder, vermitteln Sie in den Konflikten im Osten… aber machen Sie sich nicht zum Handlanger von Putin und den russischen Energiemultis!

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NDR Info | Kommentare | 29.09.2017 | 17:08 Uhr