Stand: 17.07.2017 17:14 Uhr

Pro und Kontra: Bußgeld für "Flunkerferien"?

Schon einige Tage vor dem eigentlich Start in die Sommerferien wird es in vielen norddeutschen Klassenräumen ruhiger. Denn etliche Plätze bleiben leer. Viele Eltern entscheiden in Eigenregie, wann sie in den Familienurlaub starten. Ein Phänomen, das es wahrscheinlich schon immer gab. Aber es nimmt offenbar zu. Einige Behörden berichten von immer mehr Fällen, in denen Kinder in den letzten Tagen des Schuljahres nicht zum Unterricht erscheinen. Soll es ein Bußgeld für die Eltern geben?

Pro

Eltern sollten Regeln nicht so frech und überheblich ignorieren, findet Regina König.

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Seit 2011 ist Regina König bei NDR Info Chefin vom Dienst.

"Man kann doch wohl mal Fünfe gerade sein lassen!“ Oh, ich höre sie schon, diese Eltern, die mit ihren Kindern ein paar Tage vor Ferienbeginn in den Urlaub fliegen. Schließlich ist ja in der Schule eh nichts mehr los außer Filme gucken, zusammen frühstücken und Ausflüge machen und - das Hauptargument - die Flüge sind ja vor Ferienbeginn viel preiswerter. Beides stimmt, keine Frage. Aber sind es Argumente, Regeln so frech und überheblich zu ignorieren nach dem Motto: Das steht mir nun einmal zu? Aber wehe, wehe, es ist andersherum: Schulstunden fallen aus oder die Deutschlehrerin lässt mal Fünfe gerade sein und verpasst Ann-Sophie oder Alexander eine drei minus, obwohl sie sich ein paar Mal gemeldet haben.

Klar tut es weh, wenn der Flug auf die Malediven 800 Euro mehr kostet . Mein Tipp: Abflug aus einer Stadt, in der die Ferien noch nicht begonnen haben. Und wenn nix mehr los ist in der Schule: Dann machen Sie doch was los: Machen Sie den Lehrern Feuer unter dem Hintern - oder noch besser: Bieten Sie selbst etwas: zum Beispiel eine Vortragsreihe von Eltern, die etwas aus ihrem Leben erzählen, aus dem Beruf, der ehrenamtlichen Arbeit oder so. Klar, Härtefälle wird es immer geben, kein Problem. Aber bitte nicht diese Selbstverständlichkeit, mit der Leute Regeln ignorieren.

Also Bußgeld? Ja, unbedingt!

Kontra

Ein Bußgeld für die Eltern sei nicht angemessen, meint Tom Heerdegen.

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Tom Heerdegen leitet seit 2003 die Nachrichtenredaktion Hörfunk des NDR - und hat früher die Schule geschwänzt.

Es gibt etwas, dass Sie gleich am Anfang über mich wissen sollten: Ja, ich habe die Schule geschwänzt. Und zwar mehrfach. Hängematte statt Mathe-Unterricht, Badesee statt Biotest. So, jetzt ist es raus.

Das ist zwar alles schon eine Weile her, aber ich wollte Ihnen nicht verschweigen, dass Sie es in dieser Thematik quasi mit einem Intensivtäter zu tun haben. Schuldig im Sinne der Ankläger, am besten sofort verknacken, den Mann. Zumal er sich auch im fortgeschrittenen Alter starrköpfig weigert, Reue für die eigenen Missetaten zu zeigen und für Verstöße nachfolgender Schüler- und Eltern-Generationen ein am besten sofortiges und bitteschön saftiges Bußgeld zu fordern.

Ja, natürlich brauchen wir Regeln, die für alle gleichermaßen verbindlich sind. Und es gibt eine lange Reihe guter Gründe, Verstöße nicht einfach zu dulden. Aber am Ende sollte doch die Frage der Verhältnismäßigkeit stehen. Ist es wirklich angemessen, Strafen für die zu fordern, die ihr Kind einmal nicht bis zum allerletzten Tag vor den Sommerferien zum gruppendynamischen Absitzen der Zeit in die Schule schicken? Erfreulicherweise sehen die, die dafür zuständig sind, die Sache eher pragmatisch. Fliegt die Familie vorzeitig in den Urlaub und der Schul-Schwindel auf, gibt es zwar Ärger. Ein Bußgeld aber, so sieht es zumindest Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien, ist das letzte Mittel. Und so soll es bitte auch bleiben.

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NDR Info | Kommentare | 17.07.2017 | 17:14 Uhr