Stand: 23.02.2017 16:57 Uhr

Peugeot-Deal ist die letzte Chance für Opel

Vor drei Jahren stand PSA mit den Marken Peugeot und Citroen noch vor der Pleite. Jetzt will PSA zum zweitgrößten Autokonzern Europas aufsteigen - und Opel kaufen. Schon in der ersten März-Woche, noch vor dem Autosalon in Genf, soll das Geschäft über die Bühne gehen. Wie wirkt sich das wohl auf Opel aus? Wird die Marke weiter erkennbar bleiben? Und wie glaubwürdig ist die Zusicherung der Arbeitsplätze in Deutschland?

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Opel hat nach Ansicht von Ulrich Czisla keine andere Wahl als auf eine Übernahme durch den Autokonzern PSA zu hoffen.

Vor 18 Jahren hat Opel das letzte Mal Geld verdient. Das war noch zu D-Mark-Zeiten. Seither schleppt sich der Konzern dahin. 2016 aber, so hatte Opel angekündigt, solle der Turnaround endlich geschafft werden. Geworden ist daraus wieder nichts. Diesmal war es die Brexit-Entscheidung der Briten, die dem Unternehmen die Bilanz verhagelt hatte. Wie in den Jahren zuvor die Finanzkrise, die Brems-Politik von Mutterkonzern GM, die verfehlte Modell-Palette und so weiter und so weiter.

Es ist fast ein Wunder, dass es Opel noch gibt

Gründe gab und gibt es viele, warum der traditionsreiche deutsche Autobauer auf keinen grünen Zweig kommt. Es ist fast ein Wunder, dass es Opel überhaupt noch gibt. Zu behaupten, die Luft für die Rüsselsheimer sei dünn geworden in den vergangenen zwei Jahrzehnten, wäre eine heftige Untertreibung.

Vor diesem Hintergrund hat Opel gar keine andere Wahl als nach dem rettenden Strohhalm Peugeot zu greifen. Wenn es überhaupt noch eine Möglichkeit gibt, den Bestand der Marke mit dem Blitz für die nächsten Jahre zu sichern, dann ist es ein neuer Partner mit neuem Geld und neuen Ideen. Es ist die allerletzte Chance für Opel.

Größe ist Trumpf im Automarkt

Positionieren muss sich der Opel-Peugeot-Citroen-Konzern allerdings auf einem gesättigten Automarkt, der unter Überproduktion leidet und dessen Marge pro verkauftem Wagen - vor allem bei den günstigeren Modellen - kaum reicht, um die Produktionskosten zu decken. Auch deshalb ist ein Zusammenschluss von kleineren Unternehmen hin zu größeren Einheiten die logische Konsequenz auf dem Automarkt. Opel und PSA haben in Europa einen Marktanteil von jeweils unter zehn Prozent. Es mag einem gefallen oder nicht: In einem sich konsolidierenden Markt ist Größe Trumpf.

Märkte im Osten müssen bedient werden

Eine Orientierung hin zur Elektromobilität, so wie Opel-Chef Neumann sie anstrebt, wäre für den dann größeren Konzern vielleicht eine Möglichkeit sich neu zu orientieren. Wenn Opel dann - anders als es die Konzernmutter GM bisher verhindert hatte - auch die aufstrebenden Märkte im Osten bedienen könnte, um so besser.

Viel Zeit bleibt Opel nicht

Viel Zeit, seinen neuen, ertragreicheren Weg zu finden, bleibt Opel allerdings nicht. Der vereinbarte Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen läuft Ende kommenden Jahres aus. Eine Bestandsgarantie für die Werke in Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach und für das Ersatzteilzentrum in Bochum gibt es noch bis Ende 2020. Erst dann wird sich entscheiden, ob und wie viele der 18.000 Arbeitsplätze bei Opel in Zukunft wegfallen. Was die Mitarbeiter dort durch den Zusammenschluss mit Peugeot bekommen, ist nur eine Chance, eine allerletzte Chance.

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Was wird aus den Opel-Beschäftigten, wenn Peugeot ihren Konzern übernimmt? Die Politik in Berlin und Paris entscheidet mit. Mehr bei tagesschau.de. extern

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NDR Info | Kommentare | 23.02.2017 | 17:08 Uhr