Stand: 16.01.2017 17:36 Uhr

Kampf gegen Ungleichheit erfordert mehr Taten

Die Entwicklungsorganisation Oxfam sagt: Acht Männer besitzen so viel wie die gesamte ärmere Hälfte der Menschheit. Die Organisation fordert eine Reform der Steuergesetzgebung, um einen Steuerwettlauf zu stoppen. Die Studie von Oxfam wurde bewusst vor Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos veröffentlicht. Sie bietet viel Diskussionsstoff für das Treffen der "Mächtigen" in den Schweizer Bergen. Aber ändert das irgend etwas?

Ein Kommentar von Hendrik Buhrs, ARD-Pool Weltwirtschaftsforum Davos

Es hat "Pling" gemacht auf dem Weg nach Davos - zumindest bei fast jedem der 3.000 Manager, Politiker, Wissenschaftler und Aktivisten, die auf dem Weg in die Schweizer Berge mehrmals auf ihr Smartphone geschaut haben werden -, weil dort die Meldungen zur aktuellen Oxfam-Studie aufblinkten. Mit diesem geschickten Timing hat die Entwicklungsorganisation den Auftakt geliefert zum größten Elitentreffen der Weltwirtschaft.

Debatte ist alles andere als neu

Aber hat es nicht nur technisch geklingelt, sondern auch in den Köpfen? Die Ungleichheits-Debatte ist wahrlich nicht neu in Davos. Sie hat seit Jahrzehnten ihren Platz auf den Diskussionspodien - die Oxfam-Chefin selbst war vor zwei Jahren eine der Ko-Direktoren von Davos und tritt auch in dieser Woche wieder hier auf. Wer will, kann auf dem Kongressgelände und bei den Sektempfängen Dutzende von Menschen treffen, die wirklich etwas unternehmen gegen den massiven Unterschied zwischen Arm und Reich, und die hier um Nachahmer werben.

Super-reich und super-engagiert - das geht auch

Da gibt es etwa eine US-Amerikanerin, die sich um Fundraising für kleine Selbständige kümmert. Mit solchen Mikrokrediten und einer eigenen Beratungsstelle hat sie bisher 250 Mal geholfen, wirtschaftlich auf eigenen Füßen zu stehen. Das sind 250 Familien, die wohl eher nicht "Make America great again" brüllen, sondern im Stillen ihren kleinen Teil dazu beitragen. Ihr Beispiel wird in Davos erzählt. Oder, in einem viel größerem Maßstab, die Aktivitäten von Bill und Melinda Gates. Deren milliardenschwere, global helfende Stiftung ist eng mit früheren Weltwirtschaftsforen in Davos verbunden und zeigt, dass man gleichzeitig auf der Liste der Super-Reichen und auf der der Super-Engagierten stehen kann.

Man könnte so viel mehr erreichen

Der Knackpunkt ist allerdings das Wörtchen "kann". Das Weltwirtschaftsforum ist ein Schaufenster für diese kleineren und großen Positivbeispiele im Kampf gegen die Ungleichheit. Nur leider ein Schaufenster, an dem die meisten Einflussreichen achselzuckend und höflich grinsend vorbeigehen.

Ungleichheit bekämpfen, das ist eine enorme Aufgabe für Unternehmer und Politiker, aber sie ist quasi ein freiwilliger Job, den man anpacken oder ignorieren kann. Das ist das schwer Erträgliche an dieser Veranstaltung: dass man so viel mehr erreichen könnte.

Worte alleine reichen nicht

Und das Erreichte genügt ja ganz offensichtlich nicht. Egal, ob man die Oxfam-Studie, die methodisch nicht unumstritten ist, heranzieht, oder eigene Untersuchungen des Weltwirtschaftsforums, oder die jüngsten Wahlergebnisse nicht nur in den USA. Der Kampf gegen die Ungleichheit darf nicht nur durch Worte in Davos, sondern muss vor allem mit mehr Taten geführt werden.

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NDR Info | Kommentare | 16.01.2017 | 17:08 Uhr