Stand: 07.12.2015 09:54 Uhr

Entwurf hat Potenzial für starken Klimavertrag

Auf der UN-Klimakonferenz in Paris haben sich die Unterhändler der 195 Länder auf einen ersten Entwurf für ein weltweites Klimaabkommen geeinigt. Ein gutes oder ein mageres Zeichen nach der ersten Woche der Konferenz? Wie ist das bisher Erreichte zu bewerten?

Ein Kommentar von Werner Eckert, SWR, Redaktion Wirtschaft und Umwelt

Das Spannende bei dieser Konferenz ist bisher nicht einmal die Konferenz selbst. Das sind die Lösungen, die hier eingetütet werden: Strom für Afrika, Wind- und Sonnenstrom für 630 Millionen Menschen, die bisher keinen haben. Das ist Entwicklung und Klimaschutz. Das Programm ist ein Kind der Klimaverhandlungen. Eine konkrete Folge der bislang so unkonkreten Zusage, dass die Industriestaaten ab 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar locker machen für die Ärmeren.

Praktisch alle wichtigen Fragen sind noch offen

Immerhin: 94 Milliarden sollen eingesammelt sein, heißt es. Das ist eine immens wichtige Voraussetzung für einen Erfolg in Paris. Dem sind die Verhandler ein Stück näher gekommen. Nicht in der Sache. Praktisch alle wichtigen Fragen sind noch offen. Aber man darf hier nicht gering schätzen, dass es immerhin gelungen ist, eine ordentliche Entscheidungsgrundlage fertig zu stellen. 38 Seiten - ordentlich strukturiert und juristisch formuliert. Und alle Parteien sehen ihre wichtigsten Punkte noch gewahrt.

Formulierungsangebote zur freien Auswahl

Damit hat der Entwurf noch das Potenzial für einen starken Klimavertrag. Nicht mehr und nicht weniger. Beispiel: das Ziel des ganzen Unternehmens. Da stehen jetzt zwei Optionen. Und zwar, dass die Staaten alles unternehmen, um den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf "unter 1,5 Grad Celsius" oder aber auf "deutlich unter 2 Grad" zu begrenzen. Das ist mehr als zu erwarten war. Aber das alleine ist eine ziemlich abstrakte Vorgabe. Ob es konkreter wird, ist offen. Von klaren Zeitvorgaben für den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas bis zu gar nichts gibt es da fünf Formulierungsangebote - zur freien Auswahl durch die Minister.

Staats- und Regierungschefs müssen handeln

Die französischen Gastgeber haben bisher einen guten Job gemacht. Sie werden aber erst in dieser Woche wirklich gefordert. Wenn dann alle Staaten gemeinsam und in einem Raum den Text Punkt für Punkt durchgehen. Erfahrungsgemäß reicht dann nicht einmal der Entscheidungsspielraum von Ministern. Im Hintergrund werden dann die Staats- und Regierungschefs wieder gefordert sein. Da waren am ersten Tag der Konferenz hier und haben schöne Reden gehalten. Sie kommen selbst nicht wieder nach Paris, aber jetzt müssen sie handeln. Das ist möglich.

Wind und Sonne gehört die Zukunft

Die Energiewende ist längst Realität. Nicht nur in Deutschland. Sicher: Sie ist nicht nur bei uns schwierig, aber sie ist alternativlos. Immer größere Teile der globalen Volkswirtschaften verstehen: Wind und Sonne gehört die Zukunft. Und das macht einen Klimaschutzvertrag wahrscheinlicher.

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Das Paris-Protokoll

Das harte Ringen um die Klimaziele: N-JOY, NDR Info und das NDR Fernsehen haben die Politiker und Entscheider beim Klimagipfel mit dem "Paris-Protokoll" begleitet. extern

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21. UN-Klimakonferenz in Paris

Offizielle Website mit zahlreichen Hintergrundinformationen und News zur Konferenz und zum Thema Klima (englisch). extern

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentare | 06.12.2015 | 18:30 Uhr