Stand: 20.03.2017 17:08 Uhr

Digitalisierung: Deutschland muss aufpassen

In Hannover läuft wieder die weltgrößte IT-Messe CeBIT. Mit einem umfangreichen Konferenz- und Vortragsprogramm will die Deutsche Messe die wichtigsten Trends um das Thema Digitalisierung abbilden. Von Drohnen über künstliche Intelligenz und humanoiden Robotern bis hin zur virtuellen Realität. Partnerland in diesem Jahr ist Japan.

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"Die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten", sagt Ulrich Czisla.

Die Digitalisierung kommt, weltweit und mit Macht! Wer das bisher noch nicht so recht wahrhaben wollte, der muss dieser Tage nur die Cebit in Hannover besuchen.  Kaum ein Wirtschafts- und - generell - kaum ein Lebensbereich wird davon in den kommenden Jahren nicht betroffen sein. Bei einer Umfrage gaben gerade zwei Drittel der deutschen Unternehmen an, dass die Digitalisierung ihr Geschäft massiv verändern wird.

Es geht um ganz neue Geschäftsmodelle

Wohlgemerkt: Es geht hier nicht um eine bessere, schnellere und ertragreichere Produktion, sondern es geht hier um ganz neue Geschäftsmodelle. So wie der vormalige Zeitungs-Konzern Axel Springer das Gros seines Geldes schon längst nicht mehr mit "Bild" oder "Welt" verdient, sondern mit Internet-Verkaufs- und Vergleichs-Portalen. Großunternehmen wie die Bahn oder Volkswagen investieren schon heute Hunderte Millionen Euro in den digitalen Umbau ihrer Konzerne. Bisher habe VW sein Geld mit Autos, also mit Hardware verdient, in Zukunft müsse das auch mit Software - wie Parkleitsystemen - passieren, sagte mir ein VW-Sprecher.

Nach einer aktuellen Studie werden Banken in den nächsten Jahren bis zu 40 Prozent ihres traditionellen Geschäfts an sogenannte Fintechs verlieren - kleine innovative Startups, die digitale Lösungen für jede Form des Geldgeschäftes entwickeln. Von der Überweisung bis zum Handel mit Aktien oder Derivaten. Für die Anleger geht das schneller, günstiger und unkomplizierter als bisher. 

Die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten, in keinem Bereich. Genauso wenig wie es die Einführung des Rades, der Dampfmaschine oder der Elektrizität war. Dabei begrüßt die Mehrheit der Bundesbürger nach einer aktuellen Umfrage die anstehenden Veränderungen sogar: Mit 56 Prozent mehr als die Hälfte erwarten dadurch mehr Wohlstand und Wachstum.

Deutschland muss aufpassen nicht abgehängt zu werden

Neu ist allerdings die Geschwindigkeit, mit der die digitale Transformation vonstattengeht. Die Entwicklungszyklen verlaufen ungleich viel schneller als gesellschaftliche Veränderungen der Vergangenheit. Deutschland muss aufpassen - mit all seiner Behäbigkeit - nicht abgehängt zu werden. Meist arbeiten Verwaltung und Politik für die entsprechenden Anpassungen viel zu gemächlich. So gibt es für einige neuentstandene Berufe noch gar keine Ausbildung. Etwa bei der Analyse großer Datenmengen.

Folge: Junge und innovative Unternehmen wandern ins Ausland ab, weil sie hier keine Experten bekommen. Auch im Bereich der künstlichen Intelligenz gilt Deutschland als Brache. Beide Bereiche werden die künftige Entwicklung der Digitalisierung aber massiv beeinflussen. Wer jetzt nicht dabei ist, verpasst es, die Standards für die Zukunft zu setzen. Deutschland ist in der Gefahr zu einem digitalen Entwicklungsland zu werden - trotz einer Weltleitmesse zur Digitalisierung in Hannover.

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NDR Info | Kommentare | 20.03.2017 | 17:08 Uhr