Sendedatum: 21.12.2015 18:35 Uhr

Die Korruption schwelt weiter

Jahrelang herrschte Sepp Blatter gottkönig-gleich über die FIFA, zog sich in Michel Platini seinen Kronprinzen heran. Doch nun sind sie gestürzt, gemeinsam - die FIFA-Ethikkommission hat eine achtjährige Sperre gegen beide Funktionäre verhängt. Eine Zahlung von Blatter an Platini in Höhe von zwei Millionen Euro gab den Anstoß. Für Platini dürfte es jetzt sehr schwer werden, danach noch wie geplant FIFA-Präsident zu werden. Das Urteil ist aber nur ein erster kleiner Schritt im Kampf gegen die Korruption im Weltfußball.

Ein Kommentar von Philipp May, Sportredakteur beim Deutschlandfunk

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Sportreporter Philipp May wünscht sich für den Weltfußball eine große Aufräumaktion im Kampf gegen die Korruption.

Ein guter Tag für den Weltfußball. Ein Schlag gegen das Krebsgeschwür der Korruption bei der FIFA. Sowohl der suspendierte FIFA-Chef Sepp Blatter als auch der suspendierte UEFA-Chef Michel Platini sind Geschichte. Daran wird auch der Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof nichts mehr ändern. Sie können noch so häufig ihre Unschuld beteuern, über vermeintlich voreingenommene Richter jammern, und sich gegenseitig als Ehrenmänner bezeichnen - es wird ihnen niemand glauben.

Denn eine Zwei-Millionen-Franken Überweisung von einem zum anderen, ohne plausible Gründe in der Hochzeit des Wahlkampfs um den FIFA-Thron, ist schlicht unentschuldbar - und zwar unabhängig von der strafrechtlichen Bewertung des Falls. Doch die Korruption im Weltfußball wie im gesamten Sport ist damit noch lange nicht besiegt.

Kritische Worte aus Deutschland? Fehlanzeige!

Gerade die vergangenen Monate haben leider gezeigt, wie der Weltfußball bis heute immer noch tickt: Er wird beherrscht von einem Haufen von Buddies, die den Milliarden-Kuchen unter sich aufteilen, und nur im absoluten Notfall dem anderen ein Auge aushacken. So ist bis heute zum Beispiel auch noch kein ernsthaft kritisches Wort aus Deutschlands Fußball-Funktionärs-Elite zur Causa Platini gekommen. Im Gegenteil: Auf geradezu devote Art und Weise hat sich beispielsweise Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vor den "großartigen Präsidenten" (Zitat) geworfen, den man nicht vorverurteilen dürfe und dessen angebliche Leistungen für den europäischen Fußball man ja nicht vergessen dürfe.

Die herrschende Kaste ist und bleibt korrupt

Der deutsche Fußball gehört voll zum prächtig verdienenden Fußball-Establishment dazu. Er sitzt quasi in der ersten Klasse. Da macht man sich nicht die Hände schmutzig mit allzu lauten Forderungen nach Good Governance. Und so sollte man sich aller großspurigen Reformankündigungen bei der FIFA zum Trotz nicht der Illusion hingeben, dass jetzt automatisch alles besser wird. Schon länger ist die FIFA auf dem Papier, was die Strukturen angeht, einer der vorbildlichsten Sportverbände der Welt. Doch die andauernden Skandale zeigen: Was nützen die Strukturen, wenn die herrschende Kaste korrupt ist?

Hilfe von außen ist die einzige Hoffnung

Und in den Hinterzimmern wird weiter munter um die Macht im Weltfußball gekungelt. Offenbar soll jetzt ein Scheich aus Bahrain FIFA-Chef werden, der mit Menschenrechtsverletzungen in seiner Heimat in Verbindung gebracht wird. Den Segen der Europäer bekommt er möglicherweise dennoch, wenn dafür ihr Mann neuer Generalsekretär der FIFA wird.

So läuft das bis heute und so kann man nur auf Hilfe von außen hoffen, auf die strafrechtlichen Ermittlungen in der Schweiz und vor allem in den USA. Darauf, dass US-Justizministerin Loretta Lynch ihre Drohung wahr macht und Kontinent für Kontinent aufräumt, bis am Ende von der alten, von der vom Krebs der Korruption zerfressenen FIFA nur noch die Hülle übrig ist.

Weitere Informationen
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Blatter: "Ich werde kämpfen!"

Der bisherige FIFA-Präsident Blatter will gegen seine achtjährige Sperre vorgehen. Er kündigte einen Einspruch beim Internationalen Sportgerichtshof CAS an. Mehr bei tagesschau.de. extern

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Analyse: "Blatter kann und will nicht begreifen"

Für Joseph Blatter sei es unbegreiflich, dass die FIFA auch ihn als Präsidenten sperren könne, analysiert ARD-Korrespondent Philipp Sohmer. Entsprechend kämpferisch zeige sich Blatter. extern

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NDR Info | Kommentare | 21.12.2015 | 18:35 Uhr