Stand: 21.07.2017 15:58 Uhr

Cyberkriminalität: Kein Chaos trotz Sabotage

Jedes zweite Unternehmen in Deutschland ist betroffen von Wirtschaftsspionage, Sabotage und Datendiebstahl. Der wirtschaftliche Schaden ist immens: 55 Milliarden Euro pro Jahr - so eine Schätzung des Digitalverbandes Bitkom. Der Verband hat eine Studie erstellen lassen, deren Ergebnisse er nun zusammen mit Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen vorstellte. Gibt es keinen wirksamen Schutz?

Ein Kommentar von Nils Kinkel, NDR Info

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Nils Kinkel meint, dass es falsch sei, angesichts der Gefahr, die von der Cyberkriminalität ausgehe, den "Kopf in den Sand zu stecken".

Die Abhängigkeit von Computern nimmt zu. Kein Wunder also, dass es immer mehr Hackerangriffe gibt. Die Zahl der Betroffenen ist allerdings nur leicht gestiegen - von 51 auf 53 Prozent. Jede zweite deutsche Firma hat entweder Glück gehabt oder macht schon vieles richtig in der eigenen IT-Abteilung. Virenscanner, Software-Updates und Passwörter auf Firmenhandys sind inzwischen so selbstverständlich wie Betriebssport oder ein vegetarisches Gericht in der Kantine. Es klingt zumindest nach einem gesunden Wandel.

Schadsoftware wird immer gefährlicher

Es wäre allerdings ein großer Fehler sich deshalb entspannt vor dem Monitor zurückzulehnen. Die Schadsoftware wird nämlich auch immer gefährlicher. Wenn dadurch die Produktion von Hautcreme ausfällt - wie zuletzt beim Angriff auf das Unternehmen Beiersdorf -, dann ist das vielleicht nicht so gefährlich wie ein Blackout im Krankenhaus. Bei einem weltweiten Erpressungsversuch im Mai hatte nur zufällig ein 22-jähriger Brite eine Lösung für das Problem gefunden. Firmen und Forscher müssen sich also noch besser vernetzen. Leider wird aber aus Imagegründen nur jeder dritte Angriff in Deutschland überhaupt gemeldet. Das ist viel zu wenig.

Viele Firmen resignieren

Bei der Mehrheit der Täter handelt es sich übrigens um aktuelle oder ehemalige Mitarbeiter. Die Täter kommen aber auch aus Osteuropa, China und den USA und bleiben meist unbestraft. Viele Firmen resignieren offenbar, weil Kriminelle nur schwer zu ermitteln sind. Ungelöst ist das Problem der Strafverfolgung und damit der Abschreckung.

Haben Sie schon mal davon gelesen, dass sich ein Geheimdienst vor einem Tribunal verantworten musste, weil durch Software-Sabotage ein Land ins Chaos gestürzt wurde? 

Herausforderung für die Entwickler

Was vielleicht noch immer nach Science Fiction klingt, hat es alles schon gegeben. Bis heute ist nicht klar, wer eigentlich den Computerwurm Stuxnet programmiert hat. Mit dem Sabotageprogramm war es möglich, Wasserwerke, Pipelines und Atomanlagen zu zerstören. Dagegen hilft am Ende auch kein sechsstelliges Passwort.

Trotzdem wäre es falsch, angesichts der Bedrohung den Kopf in den Sand zu stecken. Wenn jede zweite Firma verschont geblieben ist von Angriffen, sollte der Ehrgeiz der Entwickler geweckt sein, auch die andere Hälfte der Rechner deutlich sicherer zu machen. Bei allen Szenarien über Cyberangriffe, die sich seit Jahren wiederholen, ist es doch erstaunlich, wie stabil die Computersysteme weltweit laufen, ohne wirklich Chaos anzurichten.

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NDR Info | Kommentare | 21.07.2017 | 17:08 Uhr