Stand: 26.06.2017 17:13 Uhr

Altersarmut kann nur mit Jobs bekämpft werden

Armut im Alter - das Risiko dafür ist nach einer aktuellen Studie auf 20 Prozent gestiegen. Jeder fünfte Neurentner sei von Altersarmut bedroht, wenn es keine Reformen gebe, heißt es in der Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) macht dafür Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verantwortlich. Merkel habe es versäumt, ein Konzept für eine verlässliche Rente der Zukunft vorzulegen. Als arm gilt, wer ein Nettoeinkommen von unter 1.000 Euro hat.

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NDR Info Redakteur Jörg Pfuhl liest in der Bertelsmann-Studie zur Altersarmut wenig Neues, dafür viel Richtiges.

Das klingt schlimm: "Jeder fünfte Neurentner wird 2036 von Altersarmut bedroht sein. Das Armutsrisiko steigt von heute 16 auf dann 20 Prozent. Besonders betroffen sind alleinstehende Frauen, Niedrigqualifizierte, Langzeitarbeitslose." Das ist die Nachricht der Bertelsmann-Studie. Nur scheinbar reiht sie sich ein in eine medial immer dichtere Häufung an Altersapokalypsen: immer länger die Liste, immer gewisser das baldige Verderben. Vor Kurzem machte eine Studie die Runde, wonach alsbald jeder zweite Rentner unter Hartz IV sinken werde - das Ende der Welt schien nahe.

Bertelsmann-Studie sieht die Sache anders

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Studie: Altersarmutsrisiko nimmt weiter zu

Minijobs, Niedriglöhne und Arbeitspausen: Der Wandel in der Arbeitswelt sorgt für niedrigere Renten - und ein steigendes Armutsrisiko. Die ganze Bertelsmann-Studie als Download. extern

Von diesem Kulturpessimismus hebt sich die jetzige Bertelsmann-Studie wohltuend ab. Sie sagt eben nicht, dass uns bald allen Altersarmut droht. Im Gegenteil. Ihre Aussage ist: Die meisten Menschen werden recht gut über die Runden kommen, auch im Alter und auch in Zukunft. Einigen wenigen Gruppen droht aber bis 2036 ein steigendes Risiko. Vor allem Langzeitarbeitslosen, Menschen ohne Ausbildung - etwa Migranten - sowie alleinstehenden Frauen.

Nun ist das schon heute im Prinzip nicht anders: Wer in seinem Leben nichts oder wenig verdient und also eingezahlt hat, der bekommt eben keine oder nur eine Minimalrente. Der Anteil dieser Menschen, mit einer Rente von netto unter 1.000 Euro, steigt laut Bertelsmann von 16 auf 20 Prozent - also um gerade einmal vier Prozentpunkte in 20 Jahren; vier Punkte im Laufe fast einer ganzen Generation!

Rentenreformen kommen Mitte der Gesellschaft zugute

Die Bertelsmann-Stiftung kommt zu dieser vergleichsweise wenig alarmistischen Einschätzung, weil sie - anders als viele andere Armutsstudien - genauer hinschaut. Sie nimmt nicht nur die gesetzliche Rente in den Blick, sondern auch die mannigfach anderen Sicherheiten, die Menschen sich im Lauf ihres Lebens häufig schaffen: das Einkommen des Partners, vielleicht die eigenen vier Wände, womöglich eine Betriebsrente, ein Sparbuch oder Aktienfonds. Und weil die meisten Menschen das eine oder andere davon haben, werden auch im Jahr 2036 rund 80 Prozent aller Rentner keine Angst haben müssen. Das gilt, obwohl wir weniger Kinder haben und immer länger leben.

Das ist die positive Nachricht der Studie: Für die sogenannten Normalos funktioniert die Rente auch in der nächsten Generation noch, obwohl die Alten älter werden und weniger Junge nachkommen. Die Rentenreformen haben das System für die Mitte der Gesellschaft relativ zukunftsfest gemacht.

Eine nicht neue, aber richtige Erkenntnis

Worum Politik und Gesellschaft sich aber in der Tat kümmern müssen, sind jene Gruppen, die es schon immer schwer hatten - eben Langzeitarbeitslose, Nicht-Qualifizierte oder alleinstehende Frauen. Wer heute wenig verdient, wird morgen wenig haben. Zwar sind heute so viele Menschen wie noch nie in Arbeit, aber die Arbeit reicht immer häufiger nicht zum Leben und schon gar nicht um vorzusorgen. Diese Erkenntnis der Bertelsmann–Studie ist nicht neu - richtig ist sie allemal.

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NDR Info | Kommentare | 26.06.2017 | 17:08 Uhr