Stand: 25.04.2017 11:14 Uhr

Schwesig: "Weltweit keine Gleichberechtigung"

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Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig sieht die Zivilgesellschaft als "Hauptperson" des W20-Treffens in Berlin.

Wie stärkt man Frauen in der Wirtschaft? Das ist Thema beim internationalen W20-Frauen-Gipfel in Berlin. Das Treffen ist prominent besetzt: Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), IWF-Chefin Christine Lagarde und der kanadischen Außenministerin Chrystia Freeland sind unter anderem auch die niederländische Königin Maxima sowie Ivanka Trump, die Tochter des US-Präsidenten, zu Gast.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) betonte auf NDR Info, dass es bei dem Treffen nicht vorrangig um "Glanz und Glamour" gehe. Ivanka Trump sei ein Gast unter vielen. Der Fokus liege vielmehr auf der Zivilgesellschaft - sie sei die "eigentliche Hauptperson der zwei Tage", sagte die SPD-Politikerin aus Mecklenburg-Vorpommern.

Forderungen an den G20-Gipfel

Die Verbände - wie etwa der Deutsche Frauenrat - träfen sich nicht nur zum Erfahrungsaustausch. Sie wollen laut Schwesig ihre Forderungen auch auf die Agenda der G20-Staaten setzen, die sich im Juli in Hamburg treffen. "Fakt ist, dass es in keinem einzigen Land der Welt echte Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern gibt", sagte die Bundesministerin. "In Russland wurde gerade die Strafe für Gewalt in der Ehe deutlich heruntergesetzt. In Indien ist die Vergewaltigung in der Ehe nicht strafbar. In Saudi-Arabien dürfen Frauen nicht Auto fahren. In den USA gibt es keine Elternzeit nach der Geburt."

Schwesig sieht Nachholbedarf in Deutschland

Aber auch in Deutschland sieht Schwesig noch Nachholbdarf: "Wir haben hier immer noch eine Lohnlücke von 21 Prozent zwischen Frauen und Männern und zu wenige Frauen in Führungspositionen." Den Teilnehmerinnen des W20-Treffens in Berlin sei deshalb auch wichtig, hinzuschauen, wofür in der Wirtschafts- und Finanzpolitik eigentlich Geld ausgegeben wird: "Kommt das Geld eigentlich Frauen zugute, zum Beispiel dem Unternehmertum von Frauen?", fragte Schwesig auf NDR Info.

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Wirtschaftsministerin Zypries mahnt zu mehr Tempo

Auch Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries mahnt zu mehr Tempo bei der Gleichberechtigung der Geschlechter in der Wirtschaft. "Die Entwicklung geht noch zu schleppend voran", sagte die SPD-Politikerin dem "Handelsblatt". Frauen hätten viel seltener Führungspositionen inne, was sich auch in den Gehältern niederschlage. Und nur knapp jedes dritte Unternehmen werde von einer Frau gegründet, im digitalen Bereich noch weniger.

Zypries verwies auf Studien, wonach Chancengleichheit ein handfester Wirtschaftsfaktor ist und Diversität beim Führungspersonal die Wettbewerbsfähigkeit von Firmen steigert. "Wir müssen unsere Politik darauf ausrichten. Und wir müssen die in der Wirtschaft häufig zu findende Grundeinstellung, dass Wirtschaft Männersache sei, endlich ad acta legen."

Prominente Teilnehmerinnen beim Frauentreffen

Der zweitägige "Women20 Summit" in Berlin wird vom Deutschen Frauenrat und dem Verband deutscher Unternehmerinnen im Rahmen der deutschen G20-Präsidentschaft ausgerichtet. Im Juli kommen in Hamburg die Staats- und Regierungschefs von 19 Industrie- und Schwellenländern sowie Vertreter der EU zusammen, darunter auch US-Präsident Donald Trump.

Wichtigstes Anliegen des "Women20 Summit" ist die Verankerung der wirtschaftlichen Stärkung von Frauen als politische Querschnittsaufgabe. Insgesamt nehmen rund 100 Delegierte aus zahlreichen Ländern teil.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 25.04.2017 | 07:08 Uhr