Stand: 04.02.2016 09:32 Uhr

Gröhe lobt Fortschritte in der Krebstherapie

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sieht Deutschland auf den Feldern der Krebsforschung und Krebstherapie auf einem guten Weg. In den vergangenen Jahren seien die hiesigen Mediziner und Wissenschaftler in Bezug auf die erfolgreichen Behandlungen aus dem Mittelfeld in die Spitzengruppe aufgestiegen. Auf NDR Info sagte er, ein besonderer Vorzug Deutschlands sei, dass Patienten aller Einkommensgruppen die beste Versorgung erhielten.

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Gröhe strebt weitere Fortschritte bei der Krebsprävention an.

Die positive Grundstimmung gründe in den Erfahrungen der vergangenen Jahre. Deshalb könne man Krebserkrankungen heute besser bekämpfen, sagte Gröhe: "In den 90er-Jahren lagen wir noch im unteren Mittelfeld der Industrienationen, jetzt sind wir in der Spitzengruppe." Schwierige Krebserkrankungen wie Brustkrebs bei Frauen oder Hodenkrebs bei Männern würden heute mit viel höheren Heilungsraten behandelt. Das gelte auch für Krebserkrankungen bei Kindern.

Auch im Hinblick auf die Therapien habe sich sehr viel getan. Personalisierte Medizin und damit eine zielgerichtetere Bekämpfung mit weniger Nebenwirkungen weckten weitere Hoffnungen. Er sei Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) sehr dankbar, dass das auch ein Schwerpunkt der deutschen Forschungspolitik ist.

"Alle am medizinischen Fortschritt teilhaben lassen"

Zu den hohen Kosten in der Krebstherapie sagte Gröhe, es gebe eine Reihe von innovativen Medikamenten, die pro Jahresdosis auf mehrere Hunderttausend Euro kämen. Deswegen sei es wichtig, sie dort einzusetzen, wo sie wirklich helfen, so Gröhe. Menschen sollten unabhängig von ihrem Einkommen das, was sie brauchen, wirklich bekommen: "Wir wollen nicht wie in anderen Ländern Gesundheitschancen zuteilen."

Damit sich die Gesellschaft innovative und damit häufig auch hochpreisige Arzneimittel auch leisten könne, müssten diese dort zum Einsatz kommen, wo sie einen wirklichen Unterschied ausmachen, sagte der Gesundheitsminister im NDR Info Interview: "Wir müssen vielleicht noch mehr lernen über die Frage, was wir unter einem solchen Fortschritt verstehen." Es dürfe nicht nur um eine geringfügige Ausweitung der Überlebensdauer gehen, sondern es müsse um die Qualität des Lebens auch in der Schlussphase gehen. Der Nutzen für die Patientinnen und Patienten müsse dabei im Vordergrund stehen. "Dann sollten wir als wohlhabende Nation allerdings auch sagen: Wir wollen alle am medizinischen Fortschritt teilhaben lassen, denen es hilft", sagte Gröhe.

Kosten eindämmen durch bessere Vorsorge

Mit Blick auf die Zukunft hofft der Minister, dass das im Moment starke deutsche Gesundheitswesen auch nachhaltig stark bleibe. Dazu könne jeder Einzelne etwas beitragen: "Wenn Sie überlegen, dass die Folgen von Tabakkonsum milliardenschwere Kosten verursachen, dann wäre ein weiterer Fortschritt eine Senkung der Zahl der Raucherinnen und Raucher." Bei jungen Menschen hätte die gesundheitliche Aufklärung hier schon große Erfolge erzielt.

Auch bei den knapp sieben Millionen Diabetikern in Deutschland könne man Kosten einsparen. Ein gesunder Lebensstil könne Krankheitsverläufe, die zu Schlaganfall, Erblindung oder Amputation führen können, verhindern. "Wir stärken dies mit dem Präventionsgesetz seit Beginn dieses Jahres", so Gröhe. Durch eigenes Verhalten könne man dazu beitragen, dass vermeidbare Krankheiten gar nicht erst auftauchen. "So können wir hier sparen, damit wir uns an anderer Stelle auch medizinischen Fortschritt leisten können."

Personalisierte Medizin soll ausgebaut werden

Gröhe sagte auf NDR Info, er sei dankbar für gute Forschung und diejenigen, die mit Medikamenten helfen. Deshalb wüssten Menschen heute: Die Diagnose Krebs muss kein Todesurteil sein. "Das verdanken wir medizinischem, aber auch pharmazeutischem Fortschritt. Aber wir müssen auch als Politik dafür sorgen, dass beispielsweise so früh wie möglich gehandelt wird", mahnte der Minister. Deswegen werde in Zukunft ein personalisiertes Einladungsverfahren dazu beitragen, dass Menschen an einer entsprechenden Früherkennung teilnehmen. Die Früherkennung bei Darmkrebs sei beispielsweise eine schnelle Möglichkeit Tumore schon im Anfangsstadium, vor einer wirklichen Tumorbildung, abzutragen. "Das kann helfen, das kann Heilungschancen bedeuten und das kann teure Therapien vermeiden helfen", so Gröhe.

In diesem Jahr solle deshalb auch der Ausbau klinischer Krebsregister zusammen mit den Ländern vorangetrieben werden. So solle von der Ersterkennung über die Behandlung bis hin zur Nachsorge die bestmögliche Behandlung erarbeitet werden. Die solle dem Patient dienen und sowohl die Lebensqualität als auch Wirtschaftlichkeit in gleicher Weise berücksichtigen.

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NDR Info | 04.02.2016 | 06:50 Uhr