Stand: 27.03.2016 00:00 Uhr

Bedford-Strohm: Osterbotschaft aktueller denn je

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Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm warnt davor, den Islam pauschal zu verurteilen.

Vor dem Hintergrund der Terroranschläge von Brüssel sieht Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), eine besondere Aktualität der Osterbotschaft. Die Hoffnung, die von der Auferstehungsgeschichte ausgehe, sei gerade vor den jüngsten Gewaltexzessen wichtig. "Die Sehnsucht, dass Gewalt überwunden wird und dass Frieden wird, dass Gerechtigkeit in die Welt kommt, die haben noch viele Menschen", sagte Bedford-Strohm auf NDR Info. Dabei bezog er ausdrücklich auch all jene ein, die sich selbst nicht als gläubige Christen sehen.

Kostbarkeit des Lebens neu wahrnehmen

Nach den Anschlägen von Brüssel, bei denen am vergangenen Dienstag mehr als 30 Menschen getötet und 300 verletzt wurden, müsse die Gesellschaft lernen, mit der Unsicherheit zu leben, so der EKD-Ratsvorsitzende weiter. Dafür sei es nicht nur nötig, über seine Ängste zu sprechen, sondern vor allem die Kostbarkeit des Lebens neu wahrzunehmen. Gleichzeitig forderte er auch Politik und Sicherheitsbehörden auf, alles Mögliche zu tun, um weitere Anschläge zu verhindern.

Generelle Distanzierung von Gewalt ist nötig

Der 67-Jährige warnte erneut davor, den Islam pauschal zu verurteilen. Es gebe viele Muslime, die in Deutschland friedlich mit den Nicht-Muslimen zusammenleben wollen. Das was in Brüssel geschehen sei, widerspreche zutiefst dem Islam. Das hätten die großen muslimischen Organisationen auch nach den Anschlägen von Brüssel schnell deutlich gemacht. Dennoch hoffe er, so Bedford-Strohm, dass es weltweit eine Diskussion im Islam gebe, an deren Ende eine generelle Distanzierung von Gewalt stehe.

EU-Türkei-Deal mit Licht und Schatten

Auf das Abkommen zwischen der EU und der Türkei in der Flüchtlingspolitik blickt der EKD-Ratsvorsitzende mit gemischten Gefühlen. Er begrüße, dass Europa wieder zu einer gemeinsamen Linie gefunden hat. Außerdem habe er die Hoffnung, dass nun legale Fluchtwege nach Europa geschaffen würden. Dies habe die EKD schon lange gefordert. Allerdings müssten jetzt die Dinge auch wirklich umgesetzt werden - und zwar ohne das Asylrecht auszuhebeln. "Man kann nicht einfach die Menschen von Griechenland in die Türkei zurückschicken und meinen, dann hat man das Problem gelöst."

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NDR Info | 27.03.2016 | 09:05 Uhr