Forum am Sonntag

Wenn das Nest leer ist

Sonntag, 29. Januar 2017, 06:05 bis 06:30 Uhr, NDR Info

Eine Hand greift helfend nach einer fremden Hand. © Fotolia.com Fotograf: ZTS

Wenn das Nest leer ist

NDR Info - Forum am Sonntag -

Wenn die Kinder aus dem Haus sind, kann es für Eltern manchmal recht einsam werden. Das Feature schildert aus Sicht der Eltern, wie sich das Empty Nest Syndrom anfühlt.

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Der Elternblues oder das "Empty-Nest Syndrom"
Von Nicole Ahles

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Lange dreht sich alles um die Familie, aber die gemeinsame Zeit ist endlich.

Fast 20 Jahre lang dreht sich bei Eltern alles um die lieben Kleinen. Vom nächtlichen Windelwechseln, über erste Schulprobleme, das Ablösen in der Pubertät bis hin zum ersten großen Liebeskummer. Aber spätestens dann dämmert es den meisten Eltern: Die gemeinsame Zeit mit dem Nachwuchs ist endlich. Wenn dann der Moment da ist, an dem Mutter und Vater plötzlich allein auf dem Bahnsteig oder an der Tür des Elternhauses zurückbleiben, macht sich oft eine ungeahnte Leere breit. Häufig sind Depressionen die Folge. Fachleute nennen es das Empty Nest Syndrom. Eine Phase in der sich Eltern neu sortieren müssen. Der Partner ist fremd geworden und Hobbies wurden oft vernachlässigt.

Mühe im Alltag wieder Fuß zu fassen

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Allen Eltern ist zwar klar, dass der Tag des Auszugs irgendwann kommen wird, vorbereiten kann man sich darauf dennoch nicht.

Claudia Schmitt möchte anonym bleiben und auch ihre Stimme nicht im Radio hören - zu schwer wiegt die Zeit des Abschieds. Der Name wurde von der Redaktion geändert. Während des Interviews, wenn Claudia an die Zeit zurückdenkt, als ihre beiden Töchter ausgezogen sind und sie versucht ihre Gefühle in Worte zu fassen, suchen ihre Hände nach Beschäftigung. Sie spielen mit einem Bonbonpapier, schieben ein Glas hin und her, streichen über das weiche Holz der Tischplatte. Vor vier Jahren verließen die beide Töchter, wir nennen sie Lisa und Anne, nicht nur das gemeinsame Elternhaus in Norddeutschland, sondern gleich den Kontinent. Lisa zog es in die Entwicklungshilfe nach Afrika, Anne wollte in den USA studieren. Beides war von langer Hand geplant. Das es wirklich klappte, kam nicht plötzlich und nicht ohne Vorwarnung. Dennoch warf es Claudia völlig aus der Bahn.

"Der Jüngsten, da hab ich quasi dem Flugzeug noch hinterher geguckt, das war ganz furchtbar. Bei der ältesten Tochter die Fahrt vom Flughafen nach Hause (...) war irgendwie Drama hoch drei. Und da habe ich irgendwie gedacht die Erde tut sich auf, wo ist das nächste Erdloch, keine Ahnung wie das jetzt hier weitergeht. Das fand ich irgendwie ganz furchtbar, ich hatte richtig Mühe auch in meinem Alltag weiter Fuß zu fassen, weiter zu machen, meinen wenigen Hobbies bis dahin nachzugehen, aber überhaupt meinen beruflichen Alltag, Haus Garten alles was dazu gehört, Freunde treffen, da überhaupt wieder in meinen Rhythmus zu kommen."

Betroffene und Fachleute erzählen, wie der Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben gefunden werden kann.