Feiertags-Forum

Von Verfolgung und Großer Freiheit

Samstag, 26. Dezember 2015, 06:05 bis 06:30 Uhr , NDR Info

Die Hamburger Mennoniten und ihre Friedensbotschaft
Von Daniel Kaiser

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Mennoniten-Pastor Bernhard Thießen kennt sich mit der Vergangenheit der Mennoniten aus.

Die Große Freiheit auf St. Pauli. Heute gibt es in dieser Straße vor allem Sex-Clubs, Bars und Diskotheken. Kaum zu glauben: Die Straße war früher voller Kirchen. Eine katholische Kirche steht dort bis heute. Auf alten Stadtplänen ist die Straße voller Kreuze. Denn wer nicht Lutheraner war, durfte kein Hamburger sein. Die anderen Glaubensrichtungen haben sich deshalb vor der Stadt an der Grenze angesiedelt: In Altona, erzählt Mennoniten-Pastor Bernhard Thießen: "Auf der Großen Freiheit, da sagt man ja heute ‚große Freizügigkeit‘ oder so - das war früher Religions- und Zunftfreiheit. Da war praktisch eine Glaubensrichtung nach der anderen angesiedelt." Auch die Mennoniten waren hier zu Hause.

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Die Friedensmacher: Die Mennoniten in Hamburg

Vor 400 Jahren kamen die Mennoniten auf der Flucht vor Verfolgung nach Norddeutschland. Die kleine Kirche hat in der Hansestadt eine große, aufregende Geschichte. mehr

Wehrlos, harmlos und friedfertig

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Mennoniten-Kirche in Hamburg-Altona.

Anders als die Täufer von Münster, die dort während der Reformation ein Gewalt-Regime errichteten, war Menno Simons ein Pazifist. Bernhard Thießen: "Es war früher ein Schutzname - das heißt, Mennoniten galten als die Friedfertigen. Es gab auch andere Täufer wie im Täufer-Reich zu Münster, für die Gewalt eine ganz andere Rolle spielte. Aber um zu sagen: 'Wir gehören zu den wehrlosen Mennoniten', zu dem, der sagt 'Gewaltlosigkeit ist der einzige Weg', nannten sie sich Mennisten und später Mennoniten." Sie waren wehrlos, harmlos und friedfertig. Trotzdem wurden die Mennoniten verfolgt. Nur, weil sie sich als Erwachsene noch einmal haben taufen lassen. Das war damals bei Todesstrafe verboten.

Als Glaubensflüchtlinge aus den Niederlanden nach Norddeutschland

So gelangten sie vor 400 Jahren auch nach Altona und begannen hier ein neues Leben, erzählt Ulrich Wiebe aus der Gemeinde: "Damals kamen die Mennoniten aus Holland und haben hier große Reedereien gegründet. Und damals war es üblich, Walfangflotten zu haben, und die Mennoniten hatten eine der größten Walfang-Flotten in Altona. Und das war ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor." Die Walfänger spendeten einen Teil des Fangs für den Bau ihrer ersten Kirche. Sie steht nicht mehr. Aber bis heute finden sich Spuren der Mennoniten im Viertel.

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Von Verfolgung und Großer Freiheit

26.12.2015 06:05 Uhr

Das Manuskript der NDR Info Feiertags-Forums Sendung "Von Verfolgung und Großer Freiheit - Die Hamburger Mennoniten und ihre Friedensbotschaft" als PDF. Download (139 KB)

Mit nur 400 Mitgliedern sind die Mennoniten in Hamburg eine kleine Kirche - allerdings mit einer großen, stolzen Geschichte und einem aktuellen Auftrag. Als Glaubensflüchtlinge aus den Niederlanden kamen sie nach Norddeutschland. Heute will die Gemeinschaft vor allem ihr Profil als Friedenskirche schärfen. Die Sendung erzählt von der aufregenden norddeutschen Geschichte der Mennoniten, von ihrem Schicksal als verfolgte Kirche, deren Mitglieder in aller Welt verstreut sind, und wie die Mennoniten als Friedenskirche die Bergpredigt wörtlich nehmen wollen.