Forum am Sonntag

Schlicht, nachhaltig, funktionell

Sonntag, 19. November 2017, 06:05 bis 06:30 Uhr, NDR Info

Wohnung der Bloggerin Karina Kaliwoda. © Karina Kaliwoda Fotograf: Karina Kaliwoda

"Slow living" - Ruhe finden im eigenen Zuhause

NDR Info - Forum am Sonntag -

Der Trend „Entschleunigung“ ist beim Wohnen angekommen. Immer mehr Menschen entrümpeln ihre Wohnungen und genießen die Klarheit. „Slow Living“ heißt das Konzept.

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Der Trend zum entschleunigten Wohnen
Von Martina Zeidler

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Schirin Jäger schreibt auf ihrem Blog mit dem Phantasienamen "Schmasonnen" unter anderem über Wohnen, Einrichten und Möbel.

"Slow Living". Wörtlich übersetzt heißt das nichts anderes als "Langsames Leben". Für viele Menschen wird diese Einstellung immer wichtiger: Entschleunigung ist eine Möglichkeit, dem eigenen Alltag die Hektik und den Druck unserer heutigen komplexen Welt zu nehmen. Dieser Trend ist jetzt auch im Wohnbereich angekommen. Immer mehr Menschen entrümpeln ihre Wohnungen von allem Überflüssigen und genießen eine ruhige, entspannende Umgebung. Zuhause zur Ruhe kommen, sich auf die Familie konzentrieren, Gemeinschaft leben - das ist auch den Design-Bloggerinnen wichtig, die das Forum am Sonntag in ihrem Zuhause zeigt: Schirin Jäger ist 38, Diplom-Heilpädagogin, und lebt hier mit ihrem Mann und den beiden Kindern. Die zierliche, dunkelblonde Frau ist Bloggerin und schreibt auf ihrem Blog mit dem Phantasienamen "Schmasonnen" unter anderem über Wohnen, Einrichten und Möbel. Seit einiger Zeit beschäftigt sie sich auch mit dem Thema "Slow Living".

Dem Alltag die Hektik unserer heutigen komplexen Welt zu nehmen

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Der Einrichtungsstil soll Weite und Ruhe ausstrahlen.

Auf den Wohnbereich übertragen heißt das für die Bremer Bloggerin: die eigenen vier Wände so zu gestalten, dass sie in ihrer Funktionalität dem Leben und den Lebensvorstellungen der vierköpfigen Familie entsprechen. Entgegen der klassischen Aufteilung in drei Zimmer/Küche/Bad haben sich die Jägers für einen offenen Wohnbereich entschieden, der schon beim Eintreten in den Flur Weite und Ruhe ausstrahlt - auch dank ausgesuchter Dekoration: "Daneben steht eine Sanduhr, die diesen Zeitgedanken darstellt. Zeit ist natürlich wichtig, Zeit ist etwas, was wir uns ja immer weniger nehmen - leider - weil wir einfach immer wieder denken, wir müssen irgendeiner Aktivität nachgehen."

Die Trends "Slow Living" und "Minimalismus" können sich auf viele Lebensbereiche beziehen

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Minimalistsiche Dekoration mit ausgewählten Objekten.

Das Thema "Slow Living" kann sich auf viele Lebensbereiche beziehen und findet immer mehr Anhänger. Kati Drescher ist Chefin einer PR Agentur und Mitinitiatorin der "Slow Living" Konferenz, die in den letzten Jahren gut besucht  in Berlin stattgefunden hat. Sie sieht im "Slow Living" Gedanken keine neue Lebensauffassung: "Menschen erhoffen sich vielleicht davon, wenn sie dem Kind auch einen Namen geben - weil, im Grunde genommen braucht man um mehr Bewusstsein und Entschleunigung in seinem Leben zu suchen und zu finden, nicht wirklich einen Namen - aber wenn das Kind einen Namen hat, ist es meistens etwas einfacher, dem nachzukommen und das zu verfolgen. Viele Menschen erhoffen sich vom Thema Slow Living, dass sie möglicherweise für sich selbst ein bisschen mehr Raum schaffen, um bewusster zu agieren und bewusster mit sich selbst umzugehen."

Zuhause abschalten und entspannen

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Karina Kaliwoda kommt in ihrem schwarz - weiß dekorierten Wohnzimmer besser zur Ruhe.

In einer Altbauwohnung im Hamburger Grindel-Viertel wohnt Karina Kaliwoda. Die 32 Jährige ist eigentlich Modedesignerin, hat aber vor einiger Zeit ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht und arbeitet jetzt in einem Wohnstudio als Einrichtungsberaterin.  Momentan ist die Mutter eines kleinen Sohnes in Elternzeit. Auf ihrem Wohn-Blog "Oh what a room" schreibt sie über Möbel und Design. Bei der Einrichtung ihrer Wohnung  orientiert sie sich am minimalistischen Wohnstil, um zuhause abschalten und entspannen zu können: "Es ist auch vielleicht eine kleine Macke von mir, aber wenn ich hier durch die Wohnung gehe - und man geht ja nun mehrmals am Tag hier lang - und im Augenwinkel kriege ich immer alles mit, was hier so um mich rumsteht, und wenn das zu viel ist, also, es beunruhigt mich einfach. Deswegen habe ich immer mehr reduziert in den letzten Jahren. Dahinten rechts zum Beispiel, auf diesem Wandschrank, da hatte ich immer Deko stehen. Die habe ich jetzt einfach weggenommen, das ist mir viel lieber. Ich habe immer unbewusst geschaut, ob das alles schön da steht und ob ich das nicht mal wieder umdekorieren kann - und jetzt laufe ich einfach vorbei und denke an nix! Das ist auch mal ganz schön!"

Ein Blick auf den Trend zum entschleunigten Wohnen.