Forum am Sonntag

"Schaff' Dir Raum und Gehör!"

Sonntag, 30. August 2015, 06:05 bis 06:30 Uhr , NDR Info

Frauen am Rednerpult
Eine Sendung von Cornelie Sonntag

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Für flammende Reden ist die Bundeskanzlerin nicht bekannt. Sie pflegt den ihr eigenen nüchtern-sachlichen Stil.

Frauen erobern Führungspositionen - in der Politik, Schritt für Schritt auch in der Wirtschaft. Ihre Argumente und Überzeugungen in flammenden Reden über die Rampe zu bringen, gelingt freilich nur wenigen. "Die reißt mich nicht vom Stuhl“, tönt es dann aus dem Publikum. Rednerinnen werden oft als langweilig oder nicht souverän wahrgenommen. Und wenn sie laut werden, sprechen Zuhörer gern vom "Zetern" oder "Keifen". Begriffe, die fast ausschließlich weiblichen Stimmen zugeordnet werden. Woran liegt das? An überlieferten Verhaltensmustern und Hörgewohnheiten? Muss eine "weibliche Redekultur" erst entwickelt werden?

"Das Goldene Mikrofon" - bisher fast nur für männliche Redner

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Einer der Preisträger des "Goldenen Mikrofons" ist Gregor Gysi. Gewinnen in Zukunft mehr Frauen diesen Preis?

Die traditionsreiche Bonner Rednerschule verstand sich nach ihrer Gründung 1978 zunächst als rhetorische Aus- und Weiterbildungsstätte für Bundestagsabgeordnete. Später erweiterte sie ihr Lehrangebot auf Mitglieder der Landtage, Verwaltungsmitarbeiter und Menschen in der Wirtschaft. Bedeutende politische Persönlichkeiten hat sie mit dem "Goldenen Mikrofon" ausgezeichnet. Beispiele für Preisträger sind Willy Brandt, Kurt Biedenkopf, Joschka Fischer, Richard von Weizsäcker, Otto Graf Lambsdorff, Oskar Lafontaine, Gregor Gysi und Sigmar Gabriel. PreisträgerInnen sind eher die Ausnahme.

Bei Aufregung geht die Stimme nach oben

Anke Wagenschütz ist Diplom-Sprechwissenschaftlerin und hat sich außerdem in der Psychotherapie weitergebildet. Seit sieben Jahren gibt sie Rhetorik-Seminare für Frauen in Berlin und Potsdam, trainiert Kundinnen aus der freien Wirtschaft und der Politik in Kommunikation und Konfliktmanagement: "Oft ist es so, wenn wir sehr aufgeregt sind, dass die Stimme relativ weit nach oben geht. Und das ist dann auch das, was bei Frauen eben gern wahrgenommen wird - diese hohe Stimme. Daran kann man arbeiten: dass wir mit der Stimme in der Tiefe bleiben. Es gibt eine so genannte Stimm-Mittel-Lage, mit der man souverän und sicher klingt.“