Forum am Sonntag

Ökomode gerne - aber bitte mit tiefem Ausschnitt

Sonntag, 07. Februar 2016, 06:05 bis 06:30 Uhr, NDR Info

Eine Passantin trägt Einkaufstüten durch ein Einkaufszentrum © Fotolia Fotograf: jonasginter

Öko-Mode ja - aber bitte mit tiefem Ausschnitt

NDR Info - Forum am Sonntag -

Öko-Mode ist hip und wird immer noch viel zu wenig gekauft. Warum setzt sich dieser Trend nicht durch? Warum gehen viele Jugendliche lieber billig Shoppen?

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Die Diskussion um Nachhaltigkeit
Von Claudia Sarre

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Ungefähr 30 bis 40 Prozent unserer Kleidung landet in der Altkleidertonne, ohne jemals getragen worden zu sein.

Fast jeder und jede besitzt einen Kleiderschrank, der überquillt an Klamotten. Bringt man die aussortierten Kleidungsstücke zum Altkleidercontainer, ist der oft auch überfüllt. Wir sitzen auf einem riesigen Berg und kaufen immer weiter ein. Denn die Modeindustrie schürt durch neue Kollektionen immer wieder neue Bedürfnisse. Gleichzeitig arbeiten Näherinnen in Billiglohnländern in Asien unter menschenunwürdigen Bedingungen. Billigproduzierte sogenannte Fast Fashion enthält obendrein häufig giftige Chemikalien. Immer öfter wird der Ruf laut nach sozial und umweltverträglich hergestellten Textilien. Damit sich nachhaltige Mode auf dem Markt durchsetzt, muss sich allerdings einiges ändern - beim Hersteller und beim Konsumenten. Denn Ökomode gilt nach wie vor als "nicht sexy".

Langweilig, teuer, kratzig - ein Nischenprodukt für Ökofreaks und Müslifresser

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Heike Holdinghausen verdeutlicht ihre Ansichten über das Kaufverhalten der Deutschen auch in dem Buch "Wir konsumieren uns zu Tode".

Im Gegensatz zu Bio-Lebensmitteln oder Naturkosmetik hat Öko-Mode - auch organic oder eco fashion genannt - den Sprung ins Bewusstsein vieler Deutschen noch nicht geschafft. Auf ein Klamotten-Biosiegel achten die wenigsten Menschen beim Einkaufen. Im Gegenteil: Mit ökologischer Mode assoziieren die meisten Konsumenten kratzige Wollpullis und formlose Schlabberhosen. Dass "organic fashion" heutzutage nicht mehr "ökig" sein muss, hat die Journalistin Heike Holdinghausen in ihrem Buch "Dreimal anziehen weg damit" dargelegt. Sie untersuchte den Markt der nachhaltigen Öko-Mode  und ist zu einem überraschenden Ergebnis gekommen: "Es gibt ein unglaublich breites Angebot an ökologischer Kleidung. Man könnte wirklich jeden Laden komplett mit Ökokleidung ausstatten. Egal ob man das jetzt an Geschäftsfrauen richtet, oder an Männer oder an Jugendliche. Es gibt für jeden Geschmack etwas. Diese Branche hat sich sehr differenziert und bietet eine Menge. Allerdings fast nur im Internet.“ Es gibt also durchaus ökologische Mode - nur findet sie ihren Weg nicht zum Käufer.

Klamotten "Made in Bangladesch" oder doch lieber "Made in Germany"?

Woher weiß der Verbraucher, was er guten Gewissens kaufen kann und was nicht? Textilsiegel - von  Blauer Engel über Eco Label bis hin zu Fair Wear Foundation- sind Garanten für Ökomode.  Die Webseite siegelklarheit.de soll Aufschluss darüber geben, auf welche Kennzeichnung man achten soll bzw. wo man zum Beispiel organic cotton bekommen kann. Allerdings kaufen die wenigsten Kunden bislang ihre Kleidung nach dem Kriterium Umwelt- und Sozialverträglichkeit. Für die meisten Konsumenten sind Preis, Aussehen und Marke viel wichtiger.