Forum am Sonntag

Kippa, Kopftuch und Kruzifix

Sonntag, 31. Mai 2015, 06:05 bis 06:30 Uhr , NDR Info

Alltag an Deutschlands erster "Drei-Religionen-Schule"
Von Ita Niehaus

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Das Lehrerkollegium der Drei-Religionen-Schule in Osnabrück und ihre Schulleiterin Birgit Jöring (links).

Lange wurde geplant und diskutiert: Im September 2012 öffnete dann die bundesweit einmalige "Drei-Religionen-Schule" in Osnabrück. Inzwischen werden dort mehr als 100 christliche, muslimische und jüdische Mädchen und Jungen gemeinsam in fünf Klassen unterrichtet - von christlichen, muslimischen und jüdischen Lehrern. Und sie erhalten auch ihren eigenen Religionsunterricht. Schulleiterin Birgit Jöring: "Das größte Ziel ist, das wir den Kindern Toleranz mitgeben möchten, unabhängig von welcher Religion, welcher Herkunft mein Mitschüler ist. Das zweite Ziel ist auch die Offenheit, die Neugierde."

"Hier sind die, die in anderen Ländern Streit haben, gute Freunde"

Die Schule startete mit 22 christlichen, islamischen und jüdischen Erstklässlern und vier christlichen, islamischen und jüdischen Lehrern. Inzwischen sind es mehr als 100 Schüler in fünf Klassen und 17 Lehrer und pädagogische Mitarbeiter. Trägerin ist die Schulstiftung des Bistums Osnabrück. Sie arbeitet mit der jüdischen Gemeinde Osnabrück, islamischen Verbänden und der Stadt zusammen. Juden, Christen und Muslime machen gemeinsam Schule - das interreligiöse Konzept hat auch Nicole Ebner überzeugt. Ihre Tochter Ayleen ist in der dritten Klasse: "Religion wird so gelebt - für die Kinder wird das etwas Gemeinschaftliches. In der ersten Klasse, gerade auch weil die Presse da war, da hat man noch geguckt. Und jetzt ist es eine normale Situation geworden. Und das finde ich sehr schön." Und die neunjährige Zena meint: "Es sind ja hier viele verschiedene Religionen nebeneinander. In anderen Ländern ist es wirklich schlimm, wie die miteinander umgehen. Hier sind die, die in anderen Ländern Streit haben, gute Freunde. Also wir gehen nicht aufeinander los, nur wegen der Religion." Gedacht war die ungewöhnliche Grundschule als Beitrag zur Verständigung zwischen den Religionen. Wir ziehen eine erste Bilanz.