Forum am Sonntag

Digitale Medizin

Sonntag, 19. März 2017, 06:05 bis 06:30 Uhr, NDR Info

Viele Ärzte in OP-Bekleidung stehe um einen Bildschirm. © NDR Fotograf: Jörg Holzapfel

Digitale Medizin - Der Doktor ist ein Roboter

NDR Info -

Auf dem Land fehlen die Ärzte, in den Krankenhäusern ist das Personal überlastet - eine Lösung könnten Roboter und Tele-Diagnose sein. Science Fiction oder Realität?

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Der Doktor ist ein Roboter
Von Daniela Remus

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Ein Arzt sitzt an dem OP-Roboter Da Vinci.

Morgens kurz vor acht in einem Operationssaal der Martini Klinik am Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg. Eine Prostata Entfernung steht auf dem OP-Plan: Der Patient liegt abgedeckt in der Mitte des Raums. Am Kopfende überwacht ein Anästhesist die lebenswichtigen Funktionen. Das Operationsteam besteht nicht nur aus Menschen, sondern auch noch aus einer großen Maschine, einem sogenannten Operationsroboter. Der trägt den Namen des italienischen Universalgelehrten da Vinci und steht am Anfang der OP in einer Ecke des Operationssaals. Das Operationsssystem da Vinci wurde in den 1980er Jahren in den USA entwickelt, von Medizintechnikern der Armee. Der Plan dahinter: Chirurgen sollten quasi ferngesteuert in Kriegsgebieten operieren können. Das hat sich zwar bisher nicht umsetzen lassen, aber seit Beginn der 2000er Jahre wird das OP System dafür im zivilen Bereich eingesetzt.

Mensch-Maschine-Team - die Operationsmethode der Zukunft?

In Hamburg operiert der Urologe Alexander Haese seit 13 Jahren mit da Vinci und gehört damit zu den Pionieren auf diesem Gebiet. Denn bis Anfang 2017 verfügte nur das UKE über das rund 2 Millionen Euro teuere Gerät: "Sie haben die 3-D Sicht, das ist ein enormer Vorteil, sie haben den Tremor Filter, sie können das Zittern der Hände rausrechnen, so dass sie ein perfekt ruhige Hand haben, sie haben die Gelenkigkeit der Instrumente und sie haben eine sogenannte Skalierung, das heißt im Grunde genommen, dass man die Bewegung verkleinert." Der Chirurg ist begeistert, das Mensch-Maschine-Team ist für ihn die Operationsmethode der Zukunft. Alexander Haese und seine Kollegen haben in der Martini Klinik in Hamburg bisher rund 5000 Männer mit da Vinci operiert.

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Die digitale Medizin macht große Fortschritte.

Es gibt zwar noch keine belastbaren Studien, die die Überlegenheit der roboterassistierten Operation eindeutig belegen, aber die unmittelbaren Operationsfolgen sind in der Regel für die Patienten weniger gravierend: Sie können das Krankenhaus schneller verlassen, verlieren weniger Blut und sind schon nach kurzer Zeit wieder fit. Ein gewichtiges Argument für da Vinci, meint Alexander Haese: "Die Zukunft wird so sein, dass immer mehr roboterassistiert operiert wird. Wichtig ist eben, dass man in einer Klinik operiert wird, wenn man dann von einer da Vinci OP umsteigen muss auf eine offene OP, dann darf das nicht die zweitbeste Wahl sein, sondern es muss dann genauso gut gehen, wie bei Da Vinci."

Nur ein technisches Hilfsmittel

Denn bei aller Faszination für die Technik und Leistungsfähigkeit von da Vinci: Dieser Roboter ist strenggenommen gar kein Roboter, sondern nur ein technisches Hilfsmittel, sagt der Urologe und Chirurg. Das Robotersystem operiert nicht selbstständig, sondern ist auf einen menschlichen Chirurgen angewiesen. Deshalb sind die Eingriffe immer nur so gut, wie der Arzt, der dieses Werkzeug benutzt.

Die digitale Medizin macht so große Fortschritte, dass Experten hier die größten sichtbaren Veränderungen erwarten. Daniela Remus fasst den Stand der Entwicklung zusammen.