Die Reportage

Warten auf die Zukunft

Sonntag, 31. Januar 2016, 06:30 bis 07:00 Uhr , NDR Info

In der Lüneburger Heide entsteht die größte Flüchtlingsunterkunft Norddeutschlands
Von Michael Hollenbach

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Die ehemaligen britischen Kasernen in Bad Fallingbostel sind zu Notunterkünften umgebaut worden.

Mehr als 2000 Flüchtlinge - vor allem aus Syrien - sind schon vor Ort. Bis zu 6000 sollen es werden. Die ehemaligen britischen Kasernen in Bad Fallingbostel mitten in der Lüneburger Heide sind zu Notunterkünften umgebaut worden. Menschen aus 20 verschiedenen Nationen warten hier auf ihre Zukunft: Dürfen sie bleiben oder werden sie abgeschoben? Betreut werden die überwiegend muslimischen Flüchtlinge von den evangelischen Johannitern und vom Roten Kreuz. Der Kirchenkreis hat eigens eine aus Afrika stammende Religionspädagogin als Integrationsmanagerin eingestellt. Denn wenn so viele Menschen aus verschiedenen Kulturen auf so engem Raum monatelang zusammenleben, dann bleiben Konflikte nicht aus.

Die Britten gingen, die Flüchtlinge kamen

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Die Flüchtlinge sind für Bad Fallingbostel eine frohe Botschaft.

Bürgermeisterin in Bad Fallingbostel ist die parteilose Karin Thorey. Die 58 jährige Frau mit den grau-blonden Haaren und der randlosen Brille hatte vor eineinhalb Jahren mit einer Bürgerliste die Wahl in der Heidestadt gegen den CDU-Amtsinhaber gewonnen. Karin Thorey, die Lebensfreude ausstrahlt, hat ein schweres Erbe übernommen: "In 2015 hat sich die Welt hier in Bad Fallingbostel komplett geändert. Am 15. Mai haben wir gemeinsam den Abschied der Briten mit einer Abschiedsparade begangen. Im Sommer war es soweit, dass ein Drittel der Einwohnerschaft in Bad Fallingbostel verloren gegangen ist und Anfang September hat die Bundeswehr entschieden, dem Land die ehemalige britische Kaserne, das Camp Fallingbostel, zur Verfügung zu stellen für die Errichtung einer Notunterkunft." Was andere Kommunen vielleicht mit Sorge aufgenommen hätten, war für Bad Fallingbostel eine frohe Botschaft, eine demographische Chance.

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Warten auf die Zukunft

31.01.2016 06:30 Uhr

Das Manuskript der NDR Info Reportage "Warten auf die Zukunft - In der Lüneburger Heide entsteht die größte Flüchtlingsunterkunft Norddeutschlands" als PDF. Download (157 KB)

Der Weihnachtsmarkt - ein Ort der Begegnung

Während die Briten die Stadt verließen, kamen im September die Flüchtlinge in das Camp Fallingbostel. Bürgermeisterin Thorey: "Das ist auch die Krux an der Stadt Bad Fallingbostel: alles, was sich auf dem Camp-Gelände tut, das spiegelt sich auch in der Stadt wieder. Von daher auch die Angst: wenn da nichts ist, dann ist auch bei uns nichts. Wenn ich an den letzten Weihnachtsmarkt denke. Es ist ein Ort der Begegnung geworden, das war eine prima Sache. Auf der einen Seite die Flüchtlinge, die fanden das toll, die sind mit ihren Smartphones rumgelaufen, und haben Selfies mit dem Weihnachtsmann gemacht, haben viel gefragt: Was ist denn das? Was hat das zu bedeuten? Und auch weil es ja voll war - man kam in Kontakt mit vielen Deutschen, und viele Deutsche haben hinterher zu mir gesagt: die sind ja ganz nett."