Die Reportage

Vier Pfoten für das Wohlergehen

Sonntag, 18. Oktober 2015, 06:30 bis 07:00 Uhr , NDR Info

Der Hundebesuchsdienst für Menschen mit Demenz
Von Ursula Storost

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Hunde haben ein feines Gespür für die Stimmungen, Gefühle und Bedürfnisse von Menschen.

Tiere können Wärme ausstrahlen, Trost spenden und Anlass zur Freude sein. Das haben viele Menschen im Laufe ihres Lebens schon einmal erfahren und das wird auch durch wissenschaftliche Untersuchungen belegt. Besonders Hunde haben ein feines Gespür für die Stimmungen, Gefühle und Bedürfnisse von Menschen. Das Hamburger Projekt "Vier Pfoten für Sie" hat sich diese Eigenschaften zunutze gemacht, um Demenzkranken zu helfen: Um denen, die in der Welt des Vergessens leben, die Tür zu ihren positiven Gefühlen wieder zu öffnen. Viele Hundebesitzer begeistert das Projekt. Zusammen mit ihrem Vierbeiner unterziehen sie sich einem Eignungstest, einem 40-stündigen Qualifizierungskurs und einer Prüfung. Danach besucht das Team aus Mensch und Hund ehrenamtlich Demenzkranke. Im Gepäck Lebensfreude und Entlastung für die Angehörigen. Auch von den Pflegekassen ist das Betreuungsangebot anerkannt.

Emotional mitten ins Herz

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Der Hund ist der beste Freund des Menschen und manchmal auch Trainingspartner: Mensch und Hund beim Qualifizierungskurs in Hamburg.

Ausgedacht haben sich das Projekt 'Vier Pfoten für Sie' der Kölner Physiotherapeut und Hundetrainer Michael Nehmann und die Altenpflegerin und Sozialarbeiterin Änne Türke. Sie hatte an ihrer Arbeitsstelle in einem Demenzzentrum erfahren, wie positiv die Menschen auf ihren neuen Hund reagierten. Viele alte Leute hätten in ihrem Leben selber Tiere gehabt oder sich immer zu Tieren hingezogen gefühlt. Genau da, so Änne Türke, könne man ansetzen und Menschen mit Demenz erreichen. Zumal Tiere es leichter als Menschen schaffen, Kontakt zu den Erkrankten aufzunehmen: "Weil die sofort auf der emotionalen Ebene andocken. Wir gesunden Menschen versuchen meistens über unsere Kognition, über unsere verbale Sprache, Menschen mit Demenz zu erreichen. Die aber häufig ganz große Probleme damit haben, die Sprache zu verstehen, darauf zu reagieren, das umzusetzen, was wir als unsere Realität ansehen. Und Hunde leben im Hier und Jetzt. Die kommunizieren nonverbal und treffen auch emotional direkt mitten ins Herz."