Die Reportage

Vielfalt nutzen und die Hilfe kommt an

Sonntag, 15. November 2015, 06:30 bis 07:00 Uhr, NDR Info

Migranten-Lotsen beraten Stader Eltern
Von Jörn Freyenhagen

Bild vergrößern
Julia Laing von der Integrierten Gesamtschule Stade (IGS) und drei Schüler mit Migrationshintergrund (von links): Nurije (15), Alan (14) und Shahnas (16).

Migranten-Familien stehen anfangs oft vor einem Berg von Problemen, wenn sie sich an deutschen Schulen zurechtfinden sollen. Neue Strukturen, sprachliche Hindernisse und Vorurteile erschweren die Integration. Darum unterstützt das Land Niedersachsen ein Pilotprojekt unter dem Motto: "Vielfalt nutzen - Bildungsqualität steigern". Einwanderer mit guten Deutschkenntnissen werden in Stade zu Bildungsexperten qualifiziert. Mit dieser Ausbildung können sie anderen Migranten Hilfestellung im Umgang mit dem deutschen Schulsystem geben. Dabei geht es vor allem darum, die Eltern zu beraten. Denn gerade für sie ist es aufgrund von Sprachproblemen und kulturellen Schranken häufig schwer, einen Kontakt zu den Schulen ihrer Kinder aufzubauen.  

Das deutsche Schulsystem setzt auf die Mitarbeit der Eltern

Das Schulsystem ist von Bundesland zu Bundesland verschieden, es ist höchst kompliziert und nach unzähligen Reformen inzwischen auch schwer überschaubar. Stolpersteine gibt es also viele, wenn Migranten, die aus anderen Ländern nach Deutschland kommen, ihre Kinder hier einschulen lassen und erfolgreich zum Abschluss bringen wollen. Im Stader Pilotprojekt werden seit September dieses Jahres  Interessenten zu Bildungsexperten qualifiziert, die als Migranten-Lotsen Eltern beraten sollen im Dialog mit Erziehern, Lehrern, Ausbildern und Sozialpädagogen. Studiendirektorin Sabine Dreyer vom Vincent-Lübeck-Gymnasium (VLG) in Stade findet, dass es für diese Idee höchste Zeit wurde. "Als ich von diesem Projekt erfahren habe, habe ich gedacht, endlich nimmt das mal jemand in die Hand. Wir haben ja hier ganz häufig auch mal Kinder, die kommen aus dem EU-Ausland. Und wenn die Eltern kein Deutsch können und die Kinder auch noch kein Deutsch können, dann bietet die Stadt Stade ein Programm mit Sprachkursen an. Und wenn ich diese Kinder da reinkriegen will und ganz viel erklären muss, wie das funktioniert, dann brauche ich jemanden, der mir hilft."