Die Reportage

Knatterkino im Töpferhof

Sonntag, 07. Februar 2016, 06:30 bis 07:00 Uhr, NDR Info

Unterwegs in der Landfilmwelt von Mecklenburg-Vorpommern
Von Alexa Hennings

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Beim Landfilm in den Dörfern von Mecklenburg-Vorpommern kommt noch die alte Technik zum Einsatz - Kino mit viel Charme.

Früher galt: Kultur aufs Land! Zu DDR-Zeiten schickte der staatliche Kinobetrieb Filmvorführer in die entlegensten Winkel. Als dieser kulturelle Fahrdienst nach der Wende endete und auch zahlreiche kleinere Kinos geschlossen wurden, tat sich in Mecklenburg-Vorpommern zunächst cineastische Leere auf. Doch vor rund 15 Jahren setzte eine Gegenbewegung ein: In vielen Dörfern und Städten machten Filmklubs mit oft spartanischen Leinwänden auf. Und weil Filme zeigen teuer ist, schlossen sich etliche Dorffilmklubs zum "Landesverband für Filmkommunikation" zusammen. Bundesweit ist das einmalig. Noch werden nicht alle Filme auf DVD abgespielt, besonders ältere Streifen sind nur auf Zelluloid zu haben und brauchen die alte Knattertechnik.

Filmvorführer Uwe Höppner fährt seit 35 Jahren über Land

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Dorfkino im Gutshaus von Lenzen. Filmvorführer Uwe Höppner (links im Bild, stehend) ist seit Jahrzehnten für den Landfilm unterwegs.

Sie heißen Landfilm Lenzen oder Lindenkino Alt Rehse. Kulturhaus Brüssow, Kultursalon Bötzow, Dorfkino Dietrichshagen oder Gutes-Haus-Kino Garvenstorf. Kulturbörse Gnoien, Santa Cinema Groß Brütz und Alte Molkerei Klütz. Einer der Filmvorführer damals und heute ist der Güstrower Uwe Höppner: "Ja, seit 1981 mache ich das schon! Also, die Geselligkeit sollte schon da sein. Und das hat mir immer den meisten Spaß gebracht." Ein Landfilmvorführer ist immer unter Leuten. Ist mit seiner Technik mittendrin, nicht abgeschirmt im Vorführraum wie in den großen Kinos.

...immer brechend voll

Viele Kinder- und Jugendfilme wurden damals in die Dörfer und in die kleinen Städte gebracht. Uwe Höppner führte sie auch in Ferienlagern vor, auf Dorffesten und Zeltplätzen. "Ich muß dazu sagen: Ich habe ja auch noch gearbeitet. Also war alles in der Freizeit, wenn man konnte. Meistens Wochenende, war ja eher machbar. Dann ist man eingesetzt worden. Und deswegen brauchten die Dorfleute auch nicht immer in die große Stadt fahren. Und es war auch eine finanzielle Sache, in den großen Kinos hat es ja auch bißchen anders gekostet. Aber man brauchte sich nicht den Weg machen. Und gerade in der Jugendzeit - war immer brechend voll. Sommerkino, Freilicht - das gab es ja nachher auch." Und das all gibt es - auch dank solcher Enthusiasten wie Uwe Höppner auch heute noch.