Die Reportage

Hummerklippen und Lummenfelsen

Sonntag, 02. August 2015, 06:30 bis 07:00 Uhr , NDR Info

Helgoland ist seit 125 Jahren eine deutsche Insel 
Von Jörn Freyenhagen

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Die Lange Anna, das Wahrzeichen der Insel Helgoland.

"Grün ist das Land, rot ist die Kant, weiß ist der Sand: das sind die Farben von Helgoland" - so lautet ein alter Spruch über die Insel. Der feuerrote Felsen, bevölkert von Lummen und anderen Vögeln, ist das Wahrzeichen von Deutschlands einziger Hochseeinsel. Im Laufe ihrer Geschichte war sie ein Spielball der Mächtigen. 600 Jahre Dänenherrschaft, dann Seeräuber-Zuflucht und später Kolonie der Briten. Erst seit 1890 ist Helgoland deutsch, doch Seebad schon seit 1826. Der Tourismus auf der autofreien Insel hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert.  Anfang der 70er Jahre kamen über 800.000 Menschen, bis 2014 sank die Zahl auf gut 300.000, die meisten Tagesgäste. Helgoland versucht, mit einem modernen Profil mehr Urlauber als bisher anzulocken. Dazu gehört auch ein neues Schiff, das direkt am Anleger festmacht. Das Umsteigen in die hölzernen Börteboote bleibt Passagieren fast aller übrigen Fähren vorerst noch erhalten.

Die Zeit des Ausbootens ist fast vorüber

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Der Fährschiff-Neubau MS "Helgoland" steht an der Fassmer-Werft in Berne.

Für den langjährigen Brückenkapitän Erich Nummel Krüss geht allmählich eine Tradition verloren: "Das Ausbooten gehört dazu, und wenn wir keine Schiffe mehr auf der Reede liegen haben, dann es ist das Flair irgendwann weg.“ Bei der Regatta im August haben die Börteboote noch einmal ihren großen Auftritt. Am Anleger im Hafen wird auch das neue Schiff festmachen, das zum Jubiläum der Insel in Dienst gestellt wird. Die "Helgoland" fährt täglich rund ums Jahr, ist mit ihrem Gasantrieb umweltfreundlich und gleichzeitig modern wie ein Mini-Kreuzfahrtschiff. Hotelier Detlev Rickmers vergleicht es mit einem neuzeitlichen Postdampfer: "Da wird ganz viel Wert gelegt auf die Seetüchtigkeit und die Reduktion der Schaukelbewegung des Schiffes. Ansonsten wird erstmalig zumindest seit dem Zweiten Weltkrieg ein Schiff gebaut, was tatsächlich ein Inselversorger ist, weil die Möglichkeit geschaffen wird, die Post, Frischwaren, ein bisschen Fracht und die Gäste mitzunehmen." Für Detlev Rickmers und viele andere auf der Insel, die von den Urlaubern leben, verbindet sich mit dem neuen Schiff die Hoffnung auf einen Aufschwung im Tourismus.