Die Reportage

Huhn in gute Hände abzugeben

Sonntag, 04. September 2016, 06:30 bis 07:00 Uhr, NDR Info

Ein Wolfsburger Verein kümmert sich um ausgediente Legehennen
Von Katharina Jetter

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Der Bauer freut sich, dass seine ausgestallten Hühner weiterleben können: "Ein tolles Gefühl!"

Die 15 Hühnerretter sind die halbe Nacht gefahren, kommen aus Thüringen, Bremen, Kiel und Hamburg. Sie werden gleich 800 braune Hochleistungs-Legehennen aus dem Stall von Udo Katenhusen holen und sie in die Transportkisten verladen. Der Landwirt lehnt an der Eingangstür seines Stalles und sieht entspannt dem nächtlichen Treiben zu. Für ihn ist die Prozedur Routine: "Wir machen des jetzt schon im dritten Jahr. Und für mich ist es mittlerweile schon normal geworden, dass meine Hühner weiterleben können. Angefangen hat das eigentlich mit der Kontaktaufnahme von Steffi und ihrer Freundin hier. Ich hatte da natürlich vorher keinen Draht zu, aber bin da mit den Jahren immer mehr reingewachsen in das Ganze. Dass diese Hühner, die jetzt ausgestallt werden müssen, morgen nicht tot sind, sondern bei Privatleuten weiterleben können, das ist natürlich ein tolles Gefühl, und das motiviert mich dazu."

Mit 19 Monaten ausgedient

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Besonders die Hühner aus der Bodenhaltung sind bei der Rettung oft in einem schlechten Zustand.

Eine Legehenne wird normalerweise nicht sehr alt. Mit nur 19 Monaten hat sie in der Massentierhaltung ausgedient. Sie kommt zum Schlachter und endet als Tierfutter. Der Wolfsburger Verein "Rettet das Huhn" hat seit 2007 über 35.000 solcher Hühner von Legehennen-Betrieben übernommen und an private Halter vermittelt. Besonders die Hühner aus der Bodenhaltung sind in einem schlechten Zustand, erzählt Stefanie, eine Hühnerretterin: "Da sehen die Guten so aus, wie dieses zerrupfte Ein-Kilo-Hühnchen hier. Die sind halt nackt, zum großen Teil und wirklich schwach, einfach ausgemergelt bis auf die Knochen." Verletzte und oder kranke Hühner bleiben erstmal in der Obhut der sogenannten Vermittler, die schon viel Erfahrung mit der Hühnerhaltung haben: "Die meisten haben zwei, drei Pflegestellen zu Hause. Die kommen zum Tierarzt und je nach dem, was für eine Behandlung nötig ist, werden die behandelt und wenn sie gesund sind, werden sie entweder vermittelt oder bleiben dann bei uns. Also meine bleiben bei mir, ich habe zwei Plätze frei in meiner Herde."

Die Reportage begleitet die ehrenamtlichen Helfer bei ihrer Arbeit.