Die Reportage

Ein Bahnhof als Gesamtkunstwerk

Sonntag, 17. Januar 2016, 06:30 bis 07:00 Uhr , NDR Info

Das Hundertwasserprojekt in Uelzen
Von Gisela Jaschik 

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Der Hundertwasserbahnhof in Uelzen feierte seinen 15. Geburtstag.

Ein tristes Bahnhofsgebäude aus der wilhelminischen Zeit verwandelt sich in ein kunterbuntes Gesamtkunstwerk: dieses Kunststück schaffte der österreichische Künstler Friedensreich Hundertwasser in Uelzen. Im Jahr 2000 wurde das wohl ungewöhnlichste Außenprojekt der Expo-Hannover in der niedersächsischen Kleinstadt fertiggestellt. Kürzlich feierte der Hundertwasser-Bahnhof sein 15-jähriges Bestehen. Viele meinen, er sei der schönste Haltepunkt der Welt. Und auch wenn nicht alle diese Meinung teilen - erstaunt und beeindruckt ist wohl jeder, der sich diesen Bahnhof von außen und von innen anschaut. Es gibt kleine Läden, Restaurants, einen Imbiss und auf der Galerie finden Konzerte und Lesungen statt.

Den Anstoß gab ein Leserbrief

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Die Eingangshalle des Bahnhofes ist mit Mosaiksäulen gestaltet.

Der kleine Umsteigebahnhof wurde wegen eines Leserbriefs in der Lokalzeitung zum Kunstwerk: "Warum kann nicht ein Künstler den Bahnhof umbauen?". Das war 1995. So begann das Abenteuer Gesamtkunstwerk "Hundertwasserbahnhof", erzählt Raimund Nowak. Als Geschäftsführer der Grünen in Hannover pendelte der Uelzener in den 90er Jahren per Bahn. Im Zug kam er ins Gespräch mit Jacques Voigtländer, dem damaligen Landtagsabgeordneten der SPD. Gemeinsam feilten sie an der Vision eines Umwelt- und Kulturbahnhofs. Als spektakuläres und nachhaltiges Außenprojekt der Expo 2000 in Hannover. Bald waren sie zu dritt: Drei Politiker rot-grün-schwarzer Couleur zogen unkonventionell an einem Strang - ließen nicht locker und überwanden bürokratische Hürden. Schon spukte der Name "Friedensreich Hundertwasser" in ihren Köpfen.

Hundertwasser hatte noch nie einen Bahnhof umgebaut

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Die kunterbunten Säulen des Bahnhofes fangen bei Regen an zu glänzen und machen auch bei schlechtem Wetter gute Laune.

Es waren die 90er Jahre, sagt Raimund Nowak und erinnert daran, wie unvorstellbar, ja fast revolutionär es damals noch erschien, Dächer zu begrünen und Photovoltaikanlagen auf einem Bahnhof zu installieren. Noch dazu geplant von Friedensreich Hundertwasser, dem selbst ernannten Architektur-Doktor. Auch hatte Hundertwasser noch nie einen Bahnhof umgebaut. Als ein Künstler, der darin aufging, Fehltritte der Architektur auszugleichen, schien er in Uelzen genau richtig zu sein. Heute ist der bunte Bahnhof ein markantes Wahrzeichen der Stadt und Touristenmagnet für Besucher und Hundertwasser-Fans von überall her.